Jemen : Entführter Deutscher nach über drei Monaten freigelassen

Ein 60-jähriger Deutscher, der Ende Januar in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschleppt worden war, ist wieder frei. Offenbar wurden im Tausch gefangene Söhne des Geiselnehmers freigelasssen.

Der streng bewachte Eingang der deutschen Botschaft in der jemenitischen Haputstadt Sanaa.
Der streng bewachte Eingang der deutschen Botschaft in der jemenitischen Haputstadt Sanaa.Foto: dpa

Ein Ende Januar im Jemen entführter Deutscher ist nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Saba wieder auf freiem Fuß. Wie die Agentur am Dienstag meldete, war er in der östlichen Provinz Marib festgehalten worden. Der etwa 60-jährige Mann war am 31. Januar in Sanaa gekidnappt und in eine Stammesregion östlich der jemenitischen Hauptstadt verschleppt worden.

Das Auswärtige Amt, dessen Krisenstab mit dem Fall befasst war, gab zunächst keine Stellungnahme ab. Ein jemenitischer Fernsehsender hatte Anfang April eine kurze Filmsequenz gesendet, die den Mann an der Seite seines mit einer Kalaschnikow bewaffneten Entführers zeigte. Der abgemagert aussehende Deutsche trug ein weißes Gewand und eine Sonnenbrille. Ein Reporter des Privatsenders Al-Jemen Al-Jum gab an, das Entführungsopfer leide an Lungenkrebs und müsse behandelt werden. Über den derzeitigen Gesundheitszustand des Deutschen war zunächst nichts bekannt.

Laut Saba verdankt der Mann seine Freilassung den Bemühungen des Gouverneurs der nordöstlichen Provinz Al-Dschawf, Mohammed bin Abboud. Dieser gehört zu dem in Marib ansässigen Al-Aschraf-Stamm. Aus der Umgebung der Vermittler hieß es, der Deutsche sei freigekommen, nachdem die Regierung angeordnet hatte, einen der Söhne des Geiselnehmers freizulassen. Al-Jemen Al-Jum hatte seinerzeit berichtet, bei dem Kidnapper handele es sich um ein Stammesmitglied mit dem Namen Ali Haridschiwan, der zwei im Jemen inhaftierte Verwandte freipressen wolle.

Stämme wollen mit Entführungen die Regierung erpressen

Nach Angaben der jemenitischen Regierung hatte der Entführer auch Geld gefordert. Im Jemen wurden in den vergangenen 15 Jahren hunderte Menschen entführt. Meistens stecken Stämme dahinter, die von der Regierung Zugeständnisse erpressen wollen. In der Regel gehen die Geiselnahmen glimpflich aus.

Auch mehrere Deutsche wurden in den vergangenen Jahren in dem arabischen Land angegriffen und verschleppt. Zuletzt wurde im Oktober ein Leibwächter der deutschen Botschafterin im Jemen getötet, als er sich gegen einen Entführungsversuch zur Wehr setzte. Bei einem Anschlag auf das jemenitische Verteidigungsministerium im Dezember in Sanaa wurden 52 Menschen getötet, unter ihnen zwei deutsche Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Im August 2013 hatten Deutschland und andere westliche Staaten wie Großbritannien, Frankreich und die USA ihre Botschaften in Sanaa vorübergehend geschlossen. Hintergrund waren Warnungen des US-Geheimdienstes vor geplanten Anschlägen des Al-Kaida-Netzwerks. (AFP)

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