Jemen : Ex-Staatssekretär Chrobog entführt

Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, ist nach Angaben der Regierung des Jemen zusammen mit seiner Familie in dem arabischen Land entführt worden.

Berlin - Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin teilte am Mittwochabend in Berlin lediglich mit, der 65-Jährige werde vermisst. Das jemenitische Tourismusministerium sprach hingegen eindeutig von einer Entführung der fünfköpfigen Familie Chrobog.

Wie das Innenministerium in Sanaa mitteilte, kennt die Polizei den Aufenthaltsort der gekidnappten Touristen. Die Entführer wollten einen Angehörigen ihres Stammes freipressen, der in der Hafenstadt Aden im Gefängnis sitze. Chrobog war mit seiner Frau und seinen drei Söhnen im Jemen unterwegs.

Ein Außenamtssprecher sagte am Abend: «Das AA steht mit allen relevanten Stellen in Kontakt und wird alle Anstrengungen daran setzen, die Familie so schnell wie möglich wieder in Sicherheit zu bringen.» AA-Sprecher Martin Jäger hatte am Mittag in Berlin bereits von der Geiselnahme berichtet, ohne jedoch Chrobog zu nennen. Das Auswärtige Amt bildete umgehend einen Krisenstab. Jäger sagte: «Wir wollen für alle möglichen Fälle von Beginn an gewappnet sein.»

Jemenitische Behörden berichteten, die Geiselnehmer hätten die fünf Reisenden am Mittag zusammen mit ihrem jemenitischen Fahrer aus einem Restaurant an der Straße zwischen der Hafenstadt Aden und der Provinzhauptstadt Schabwa - rund 460 Kilometer östlich von Sanaa - verschleppt. Die Familie ist seit dem 24. Dezember in dem Land im Süden der arabischen Halbinsel mit einer größeren Reisegruppe unterwegs. Bei der Tour waren die Mitglieder der Gruppe jedoch auf verschiedene Fahrzeuge verteilt. Das jemenitische Innenministerium teilte mit, Sicherheitskräfte hätten das Gebiet abgeriegelt, in dem die Entführten vermutet werden.

Ein Sprecher des deutschen Reiseveranstalters Studiosus in München bestätigte, dass die Reise der Familie von der jemenitischen Abu Taleb Group (ATG) organisiert wurde. Das Unternehmen gelte als seriös. Auch Studiosus arbeite mit der Firma zusammen. Derzeit seien von dem Münchner Veranstalter zwei Reisegruppen im Jemen unterwegs. Abu Taleb sei nach dem Vorfall angewiesen worden, andere Routen zu wählen.

Chrobog begann seine Diplomatenkarriere im Jahr 1972. Die deutsche UN-Vertretung in New York, die EU in Brüssel und Singapur gehörten unter anderem zu seinen Auslandsstationen. In Bonner Regierungszeiten war der Jurist von 1984 bis 1991 Leiter der Presseabteilung und Sprecher des Auswärtigen Amts. Als Politischer Direktor war er einer der engsten Berater von Außenminister Hans-Dietrich Genscher und auch dessen Nachfolger Klaus Kinkel (beide FDP). 1995 wurde Chrobog Botschafter in Washington, Anfang Juli 2001 Staatssekretär unter Außenminister Joschka Fischer in Berlin. Nach seiner Pensionierung übernahm er den Vorstandsvorsitz der BMW-Stiftung Herbert Quandt.

Der Reiseverband DRV teilte mit, Jemen sei ein sehr kleiner Tourismus-Markt. Im vergangenen Jahr seien nur knapp 6.000 deutsche Gäste dort gezählt worden, darunter auch Geschäftsreisende. (tso/dpa)

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