Jemen : Geiseln in der Hand von Al-Qaida-naher Gruppe

Die am 12. Juni im Jemen entführte sächsische Familie befindet sich offenbar in der Hand sunnitischer Extremisten, die mit Al Qaida in Verbindung stehen. Wie der Tagesspiegel aus Regierungskreisen erfuhr, haben die Geiselnehmer bislang zwei Videos geschickt, in denen allerdings nur die drei kleinen Kinder des Ehepaares H. zu sehen waren.

Frank Jansen

BerlinEs handelt sich um zwei Mädchen im Alter von drei und vier Jahren und um einen Jungen, der in der Geiselhaft ein Jahr alt geworden ist. Die Kinder machten in den Videos einen erschöpften Eindruck, hieß es. Von den Eltern und dem mit ihnen entführten Briten gebe es kein Lebenszeichen. Die Entführer fordern für jede Geisel ein Lösegeld in Millionenhöhe.

Unterdessen versucht der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, im Jemen über Mittelsmänner ein glimpfliches Ende des Dramas zu erreichen. Chrobog selbst wurde vor vier Jahren mit seiner Familie im Jemen entführt, allerdings nur für wenige Tage.

Die Familie H. und der Brite waren im Juni zusammen mit zwei jungen deutschen Frauen und einer Südkoreanerin verschleppt worden. Kurz darauf wurden die Leichen von Rita S. und Anita G. sowie der Frau aus Südkorea in einem Flussbett in der nordjemenitischen Region Saada gefunden. Die Geiselnehmer hatten die drei erschossen. Als mögliche Ursache für Entführung und Mord gilt der Hass von Islamisten auf die als strenggläubige Christen bekannten deutschen Frauen und das Ehepaar H., die in Saada in einem Krankenhaus einer niederländischen Hilfsorganisation arbeiteten.

Jemens Regierung hat sich in dem Fall widersprüchlich verhalten. Der Botschafter in der Bundesrepublik, Mohammed al Eryani, sagte im Juni dem Tagesspiegel, die Geiseln kämen wahrscheinlich bald frei. Als das nicht eintrat, war der Diplomat nicht mehr zu sprechen. Die jemenitische Regierung behauptete zudem lange, für die Entführung seien die schiitischen Houthi-Rebellen verantwortlich, die im Norden des Landes gegen Armee und Polizei kämpfen. Deutsche Experten sprachen hingegen früh von Verbindungen zu Al Qaida. Frank Jansen

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