Politik : Jemen: Proteste trotz Notstands

Sanaa - Trotz eines am Vortag verhängten Ausnahmezustands sind am Samstag die Proteste gegen die Herrschaft von Präsident Ali Abdullah Saleh im Jemen weitergegangen. Zehntausende Menschen versammelten sich im Zentrum von Sanaa, um den Rücktritt des Staatschefs zu fordern. Am Vortag hatten Scharfschützen in Zivil von Dächern aus auf die Massendemonstrationen geschossen. Mehr als 50 Menschen waren nach offiziellen Angaben getötet worden, 240 weitere erlitten Verletzungen.

Saleh hatte nach dem Blutbad den Ausnahmezustand verhängt und ein Verbot des Tragens von Waffen in der Öffentlichkeit – eine im Jemen weit verbreitete Angewohnheit – erlassen. Außerdem behauptete er, dass keine Sicherheitskräfte auf die Demonstranten geschossen hätten. Dass aber die Scharfschützen in Zivil nicht auf die eine oder andere Weise eng mit dem Sicherheitsapparat des Präsidenten verbunden waren, ist nach Ansicht von Beobachtern ausgeschlossen. Derweil trat, wie die „Yemen Post“ am Samstag berichtete, der Tourismusminister Nabil al Fakih von seinem Amt zurück. Er ist das erste Regierungsmitglied, das aus Protest gegen die massive Gewaltanwendung des Regimes den Hut nahm.

Seit mehr als fünf Wochen verlangen hunderttausende Demonstranten im ganzen Jemen den Rücktritt Salihs, der seit 32 Jahren über das verarmte Land im Süden der arabischen Halbinsel regiert. Rund 80 Demonstranten wurden bislang von Sicherheitskräften und bewaffneten Regimeanhängern getötet und mehr als tausend weitere verletzt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die USA auf, ihre Militärhilfe für den Jemen auszusetzen. Bis Saleh nicht die Angriffe auf die „weitgehend friedlichen Demonstranten“ einstelle, müsse Washington die Hilfszahlungen einstellen. dpa/AFP

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar