Politik : Jemen vor dem Umsturz

Top-General desertiert – Anhaltende Proteste auch in Syrien

Sanaa/Kairo - Im Zuge der anhaltenden regierungskritischen Proteste im Jemen nehmen die Rücktritte ranghoher Politiker und Armeeangehöriger in dem Land zu. Einer der wichtigsten Offiziere der Armee erklärte am Montag, ab sofort hinter den Demonstranten zu stehen. Er unterstütze die friedliche Revolte der Jugendlichen, sagte General Ali Mohsen al Ahmar in einer vom arabischen Sender Al Dschasira ausgestrahlten Fernsehansprache. Auch der Gouverneur der zweitgrößten Stadt Aden, Ahmed Kaatabi, erklärte seinen Rücktritt. Nachdem am Freitag 52 Demonstranten erschossen worden waren und drei Minister zurückgetreten waren, hatte Präsident Ali Abdallah Saleh am Sonntag seine Regierung entlassen. Zudem traten Botschafter, der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur und der Gouverneur der Hafenstadt Aden zurück.

Seit vier Tagen wird auch Syrien von der arabischen Protestwelle erfasst. Am Wochenende waren wieder mehr als 10 000 Menschen in der Stadt Deraa an der Grenze zu Jordanien südlich von Damaskus auf die Straße gegangen. Das Regime ließ scharf schießen, fünf Menschen starben, über 100 wurden verletzt. Und seitdem dreht sich die Spirale von Schüssen und Toten, Beerdigungen und Trauerzügen, Demonstrationen und neuer Polizeigewalt. Am Montag gingen die schweren Auseinandersetzungen in die nächste Runde. „Nur Allah, Syrien und Freiheit“, skandierte die Menge nach der Beerdigung eines Opfers und „Wir haben keine Angst mehr“. Die Stadt, in der 300 000 Menschen leben, gleicht einem Vulkan, berichtete ein Augenzeuge. Alle Zufahrtsstraßen waren mit Soldaten abgeriegelt, Hubschrauber kreisten am Himmel. Internet, Telefone und Strom sind unterbrochen.

Das Regime ist alarmiert. Facebook-Aktivisten hatten zu einem „Tag der Würde“ im ganzen Land aufgerufen, das seit mehr als 40 Jahren von Vater und Sohn Assad regiert wird, ihre Baath-Partei ist bereits seit fast 60 Jahren an der Macht. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der Aufstand des Volkes in der Hauptstadt Damaskus ankommt. Ein solches Aufbegehren gegen das Regime hat es seit den islamistischen Unruhen in Hama 1982 nicht mehr gegeben, die Vater Hafez Assad mit Panzern und Kampfjets zusammenschießen ließ. Damals starben über 10 000 Menschen. Auch heute noch zählt Syrien zu den düstersten Polizeistaaten der Region, einzig vergleichbar mit Ben Alis Tunesien und Muammar al Gaddafis Libyen. AFP/dpa/M.G.

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