Politik : Jenseits von Afrika

Die CDU lud Klaus Töpfer ein – als möglichen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt sieht sie ihn nicht

Dagmar Dehmer

Das Signal hätte kaum eindeutiger ausfallen können. Als CDU-Chefin Angela Merkel den Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), Klaus Töpfer, zum „Berliner Gespräch“ begrüßte, ließ sie deutlich erkennen, dass er bestimmt nicht zum Kreis der möglichen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt aus der Union zählt.

Töpfer sei vorher noch gar nie im Konrad-Adenauer-Haus gewesen, berichtete Merkel. Dabei habe er doch die Anregung zum Bau der Berliner Parteizentrale der CDU gegeben. „Wir fühlen uns in diesem Haus sehr wohl“, sagte sie und bedankte sich artig beim ehemaligen Bauminister. Auch die Verdienste ihres Vorgängers als deutscher Umweltminister um das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung strich Merkel heraus. Aber er habe doch einen weiten Weg gehabt, um zu seiner Partei zu kommen und dort über globale Umweltfragen zu diskutieren. Schließlich liegt der Sitz der Unep in Nairobi.

Die folgende Diskussion zwischen Klaus Töpfer und dem stellvertretenden Vorsitzenden des BASF-Vorstands, Eggert Voscherau, verlief eigenartig ungleichgewichtig. Während Voscherau immer wieder eine „Politik der kleinen Schritte“ einforderte, berichtete Töpfer von der fortlaufenden Veränderung der Welt zum Nachteil der armen Staaten im Süden. Töpfers Analyse war eindeutig: „Das führt zu einer instabilen Entwicklung.“ Dem hielt Voscherau „die täglichen Zwänge“ entgegen. Im Übrigen tue die deutsche Industrie oft mehr für die Nachhaltigkeit in Entwicklungsländern als deren eigene Regierungen. Voscherau plädierte dafür, erst einmal „im eigenen Haus für wirtschaftliche Stabilität zu sorgen, bevor wir denen mit moderner Technik den Wohlstand bringen“. Das ging Klaus Töpfer dann doch zu weit. „Ich habe überhaupt nicht vor, denen da Wohlstand zu bringen“, sagte er. Es gehe nicht um Almosen: „Wir werden diese zunehmend kaufkräftigen Märkte auch für unsere eigene wirtschaftliche Entwicklung brauchen.“

Töpfers Sicht auf die Probleme der Welt, stieß im vollbesetzten Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses eher auf Unverständnis. So weit haben sich Klaus Töpfer und seine Partei offenbar schon voneinander entfernt.

Da war es am Ende der Veranstaltung auch keine große Überraschung mehr, dass CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer den Umweltdiplomaten Töpfer zum Kronzeugen gegen die rot-grüne Bundesregierung machen wollte, der er „Umwelt-Nationalismus“ vorwarf. Töpfer hatte beklagt, dass in den Industriestaaten nie Wassermangel geherrscht habe. Aus diesem Grund seien hier auch niemals Wasserspartechniken entwickelt worden, wie sie in vielen Entwicklungsländern dringend benötigt würden.

Laurenz Meyer interpretierte diese Töpfer’sche Problembeschreibung als Beweis für den „überspitzten deutschen Umweltschutz“, bei dem in teuren Kläranlagen noch der letzte Dreck aus dem Wasser gefiltert werde – eine Technik, die sonst ja niemand brauchen könne. Klaus Töpfer, ganz höflicher Gast, schwieg. Aber glücklich sah er dabei nicht aus. Das Gespräch sei etwas bizarr gewesen, sagte er nach der Veranstaltung – aber nur ganz leise.

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