Jerusalem : Radikale Brigade bekennt sich zu Bulldozer-Amokfahrt

Augenzeugen berichteten von Bildern wie aus einem Alptraum: Bei einer Amokfahrt mit einem Bagger im Zentrum von Jerusalem hat ein Palästinenser mindestens drei Menschen getötet und 45 weitere verletzt. Es war der erste Anschlag in Israel seit Beginn der jüngsten Waffenruhe.

Bulldozer
Jerusalem: Amokfahrt mit Bulldozer. -Foto: AFP

Jerusalem/Gaza Bei einer blutigen Amokfahrt mit einem Bulldozer hat ein Palästinenser am Mittwoch im Zentrum Jerusalems mindestens drei Israelis getötet. Der Fahrer, der anschließend aus nächster Nähe von einem Polizisten erschossen wurde, verletzte zudem mehr als 50 Menschen und hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Er demolierte mit der Schaufel des Baufahrzeugs auf der zentralen Jaffa-Straße mehrere Autos und warf einen Autobus auf die Seite. Es war der erste Anschlag in Israel seit Vereinbarung einer Waffenruhe mit den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen vor zwei Wochen.

Nach Polizeiangaben stammte der Attentäter aus dem arabischen Ost-Jerusalem und war als Krimineller bekannt. Die israelische Polizei stürmte kurz nach dem Anschlag das Haus des 30-jährigen Hussam Dwajat. Der israelische Rundfunk meldete, er gehöre vermutlich zu keiner der militanten Palästinenserorganisationen und habe offenbar auf eigene Faust gehandelt. Gleichzeitig bekannte sich jedoch eine Gruppierung namens Emad Maghanija-Brigaden zu dem Anschlag, die nach dem im Februar in Damaskus bei einem Sprengstoffanschlag getöteten Militärchef der libanesischen Hisbollah-Miliz benannt ist.

Hamas: "Resultat der israelischen Aggression"

Die radikalislamische Hamas-Organisation bezeichnete die Amokfahrt als "natürliches Resultat der israelischen Aggression" gegen die Palästinenser. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri in Gaza wollte den Anschlag jedoch nicht ausdrücklich gutheißen. Er sagte, Hamas habe keine Informationen über die Motive des palästinensischen Fahrers. Die pro-iranische Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad lobte den Anschlag hingegen als Reaktion auf die israelischen Militäreinsätze im Westjordanland.

Augenzeugen berichteten von Bildern wie aus einem Alptraum. Der Fahrer, ein junger Mann, habe mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck mehrere Fahrzeuge gerammt, darunter zwei Autobusse, und sie teilweise mit sich geschleift. Unter den Toten war nach Zeugenaussagen eine Mutter, die ihr Baby retten konnte, indem sie es offenbar in letzter Minute aus dem Auto warf. Danach geriet sie mit dem Auto unter den Bulldozer, der das Fahrzeug völlig zerquetschte. Mehrere demolierte Autos lagen am Straßenrand.

Grenzen zum Gazastreifen geöffnet

Am Morgen hatte Israel die Grenzübergänge in den Gazastreifen zwei Wochen nach Vereinbarung einer Waffenruhe für Waren wieder freigegeben. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert beriet am Mittwoch während einer Dringlichkeitssitzung mit Sicherheitsrepräsentanten über das weitere Vorgehen.

Vize-Ministerpräsident Eli Jischai sagte, sollte der Attentäter israelischer Staatsbürger sein, müsse das Gesetz geändert werden. In einem solchen Fall müsse ein arabischer Einwohner Ost-Jerusalems seine Staatsbürgerschaft verlieren und deportiert werden, meinte der Vorsitzende der strengreligiösen Schas-Partei.

Zusammenstöße am Grenzübergang

Der stellvertretende Außenminister Raleb Madschadele, Israels erster arabisch-muslimischer Minister, warnte nach dem Anschlag, Israel werde nicht zulassen, dass im Gazastreifen eine Waffenruhe und in Jerusalem "Krieg" herrsche.

Am Grenzübergang Rafah kam es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und ägyptischen Grenzwächtern. Nach Angaben von Augenzeugen versuchten Hunderte von palästinensischen Zivilisten vergeblich, die Grenze zu Ägypten zu stürmen. Sie bewarfen die Grenzwächter mit Steinen. Diese drängten sie mit Wasserwerfern zurück und schlossen den Grenzübergang dann komplett. Ägypten hatte den Übergang, der die Sinai-Halbinsel mit dem palästinensischen Gazastreifen verbindet, am Dienstag für drei Tage geöffnet. Allerdings durften ihn seither nur mehrere hundert Menschen passieren, vor allem Kranke, die zur Behandlung nach Ägypten wollten. (jam/dpa)

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