Politik : Jetzt will er die Ehre

Kurt Beck, die Krise in Mainz und seine Pläne

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Daun - Der Sommer steckt Kurt Beck noch in den Knochen. Der Urlaub an der Mosel verregnet, nur zwei Radtouren waren diesmal drin, eine dritte musste der rheinland-pfälzische Ministerpräsident abbrechen. Wirkliche Erholung war das nicht. Und dann der Streit um die Zusammenlegung der beiden Oberlandesgerichte Koblenz und Zweibrücken, der eine für das als so gemütlich geltende Bundesland bisher ungekannte Härte entwickelte – sogar Parteifreunde wandten sich gegen die Entscheidung des Regierungschefs. Der fühlte sich mit seinen „Sparanstrengungen“ missverstanden, ja verunglimpft. Am Dienstag schließlich räumte Beck das aus dem Ruder laufende Thema erst einmal ab: Eine Expertenkommission soll nun einen Vorschlag machen, geleitet von einem CDU-Mann. Rückblickend will Kurt Beck dazu nun nichts mehr sagen. Die Sache sei „auf dem richtigen Weg“, erklärt er auf seiner Sommerreise mit Journalisten. Im Übrigen gehe es gerade mal um 30 von 964 Stellen. Im März soll ein Ergebnis vorliegen.

Nun will er wieder ans Bewährte anknüpfen. Von Gerolstein aus mit einer alten Dampflok nach Daun in der Eifel. Dicke Rauchschwaden hüllen den Sonderzug ein, die Umweltministerin gibt ihr Okay für den musealen Trip. Eine Zeitreise. In die gute alte Zeit?

Auch hier aber grüßt die Moderne. Auf den Hügeln der Vulkaneifel drehen sich die Windräder. Eben erst hat ein Häuflein Demonstranten den SPD-Ministerpräsidenten am Krimi-Haus in Hillesheim abgepasst. „Keine Windkraft im Wald. Mir welle se net“ steht auf einem Plakat. Der Landesvater redet freundlich mit ihnen, sagt ein paar nette Kümmerer-Sätze, ohne etwas zu versprechen.

Vorher aber, da ist es rundum so, wie Kurt Beck es mag. In der Nürburg- Quelle, einem Familienbetrieb in dritter Generation, führt ihn der Geschäftsführer Hermann Kreuter stolz durch sein Wasser-Reich mitten über dem Magmaherd. Beck kostet Wasser direkt aus dem Brunnen, noch nicht enteist, so dass es ein bisschen nach Blut schmeckt. Und natürlich darf er selbst Hand anlegen. Im grauen Anzug steht Beck an einer alten Kronkorkenmaschine mit langem Holzhebel. „Ein wunderbares Unternehmen, das in diese Landschaft hineinpasst“, schwärmt Beck in der zum Empfang hergerichteten modernen Mehrzweckhalle, in der Ecke sind auf einem barocken Holzbuffet die Schätze des Wasserbetriebs mit 110 Mitarbeitern aufgereiht. Zum Abschied gibt der Firmenchef seinem Ministerpräsidenten drei Wünsche mit auf den Weg. Die Mehrwertsteuer für Gänseleberpastete liege bei nur sieben Prozent, fürs Wasser werden 19 fällig. Auch Beck wäre es am liebsten, „die Unterscheiderei“ hätte ein Ende, Ausnahmen nur für Lebensmittel.

Kreuter macht auch die Finanzkrise Sorgen. Wenn er noch mal investieren müsste, „könnte das mit der Bereitstellung von Krediten problematisch werden“, in der Politik – und da meint er die in Berlin und Brüssel – „wird mir heute zu viel hin- und hergesprungen“. Das sind Sorgen, die Beck nicht nur beim Mittelstand hört. Auch die Leute, die er beim Spazierengehen mit Hund Cameron trifft, werden seit einigen Wochen ängstlicher, hat er festgestellt. Sie sorgen sich um ihre Lebensversicherung, die Sicherheit im Alter. Immer wieder kommt auch Kurt Beck auf die Eurokrise zu sprechen. Das treibt offensichtlich auch ihn um.

Und man gewinnt den Eindruck, als würde er sich durchaus gern über Rheinland-Pfalz hinaus um die Leute im Lande kümmern. Nicht in der aktuellen Politik wohl. Immerhin hat er seine letzte Legislatur als MP angetreten. „Verdingen“ will er sich anschließend nicht mehr, also bei keiner Firma anheuern. Von Ehrenamt spricht er. Denkt er vielleicht auch ans Schloss Bellevue? Dort amtiert Christian Wulff, sagt Beck dann. Und, dass er davon ausgeht, dass der auch noch einmal antritt. Aber nicht, dass er sich das nicht für sich vorstellen könnte. Hatte nicht Wulff auch immer gesagt, er wolle in Berlin nichts mehr werden? Ingrid Müller

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