Joachim Gauck in Indien : Bundespräsident fordert Reform des UN-Sicherheitsrates

Der Weltsicherheitsrat sollte die Realitäten der heutigen Welt spiegeln, nicht die von 1945, sagte Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem ersten Staatsbesuch in Indien. Deutschland möge mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Dies gelte aber auch für die Inder.

Bundespräsident Joachim Gauck (l) und Indiens Premierminister Manmohan Singh in Neu Delhi. Das Staatsoberhaupt hält sich zu einem sechstägigen Staatsbesuch in Indien auf.
Bundespräsident Joachim Gauck (l) und Indiens Premierminister Manmohan Singh in Neu Delhi. Das Staatsoberhaupt hält sich zu einem...Foto: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Staatsbesuch in Indien Kämpfer für Menschenrechte und Demokratie ermutigt. „Wir müssen auch auf die hören, die nicht an der Macht sind“, sagte Gauck am Donnerstag nach einem Gespräch mit Vertretern der Zivilgesellschaft in Neu Delhi. Erst gebe es Demokraten, dann Demokratien; oft bahnten Aktivisten den Weg für die offizielle Politik. „Sie sind das Volk“, sagte Gauck zu den engagierten Bürgern.

Der Bundespräsident sprach mit den Repräsentanten von unterschiedlichen Gruppen und Projekten über Gewalt gegen Frauen, den Kampf gegen Korruption, politische Reformen und Klimaschutz. Auch die soziale Ungleichheit durch das immer noch spürbare Kastensystem kam zur Sprache.
„Das Gremium sollte die Realitäten der heutigen Welt spiegeln, nicht die von 1945“, sagte Gauck am Donnerstag vor der Nehru-Universität in Neu Delhi. Deutschland und Indien streben einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat an. Gauck sagte laut vorab verbreitetem Redetext, es wäre für die Legitimität der Vereinten Nationen ein wichtiges Zeichen, wenn die Reform endlich vorankäme.

Was Gauck von Indien einfordert

Der Bundespräsident erinnerte an seinen Appell vor der Münchner Sicherheitskonferenz, Deutschland möge mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Er forderte auch Indien auf, sich stärker in internationale Diskussionen etwa über Krisenprävention einzubringen.

In der globalisierten Welt wachse die Verantwortung aller. „Es gibt keine weißen Flecken auf der Landkarte mehr, wenn Menschenrechte massiv verletzt werden“, sagte Gauck.

Beim Klimaschutz forderte er eine stärkere Beteiligung Indiens.

Deutsche Energiewende Vorbild für Indien

Ein international verbindliches System könne nicht erfolgreich sein ohne die Beteiligung des Landes, das weltweit die drittgrößten Emissionen von klimaschädlichen Stoffen ausweise. Gauck verteidigte die in Deutschland beschlossene Energiewende. Dies sei ein „Erfolgsrezept für die Zukunft“. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz seien wichtige Komponenten des im Rahmen des Staatsbesuchs abgeschlossenen deutsch-indischen Abkommens zur Entwicklungszusammenarbeit.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), der den Bundespräsidenten in Neu Delhi begleitet, wollte am Donnerstag in der Altstadt ein Zentrum zur Unterstützung von Straßenkindern besuchen, die sich durch Müllsammeln ein karges Einkommen verschaffen.

Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) hält Gauck eine Rede vor der Nehru-Universität der indischen Hauptstadt. Freitag fliegen er und der größte Teil seiner rund 80-köpfigen Delegation in die Technologie-Metropole Bangalore. Dort steht der Besuch mehrerer Firmen und eines Entwicklungsprojekts auf dem Programm. Am Sonntag reist Gauck nach Birma weiter. Dort ist auch ein Treffen mit Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geplant. (dpa)

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