Jobsuchende aus Polen : Speed-Dating in Zittau

Jobbörse für Tschechen und Polen in der Grenzstadt: Erfolgreiche Bewerber werden häufig nach Süddeutschland vermittelt

Petr Horky[Zittau]
Über die Grenze. Ein junger Bewerber aus Tschechien stellt sich in Zittau beim Vertreter eines Energieunternehmens vor. Foto: Horky
Über die Grenze. Ein junger Bewerber aus Tschechien stellt sich in Zittau beim Vertreter eines Energieunternehmens vor. Foto:...

Es ist ein Nachmittag im April, in der Filiale der Industrie- und Handelskammer (IHK) im sächsischen Zittau im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck herrscht reges Treiben. Überall ist Polnisch und Tschechisch zu hören. Eine bunte Menschenmenge hat sich hier versammelt: eine Truppe Automechaniker und eine Empfangsdame aus den tschechischen Städten Novy Bor und Liberec, ein penibel gekleideter Germanist und eine polnische Lehrerin. Was sich hier abspielt, nennt sich „Job-Speed-Dating“ mit Vertretern deutscher Unternehmen. Mit frisch gedruckten Lebensläufen treten die Bewerber aus Polen und Tschechien an kleine Tische heran und versuchen innerhalb weniger Minuten, ihr Gegenüber für sich zu gewinnen. Mit Mühe holen sie ihre Deutschkenntnisse hervor und hoffen darauf, dass sie bei den deutschen Firmen eine Chance bekommen.

Unter den 17 deutschen Firmenvertretern, die sich hier für tschechische und polnische Arbeitskräfte interessieren, ist auch Uwe Herbener, der für ein Familienhotel im sächsischen Grenzort Oybin dringend tschechisches Personal sucht. „Sehr oft haben wir auch tschechische Gäste, die mit Fahrrädern zu uns kommen“, erklärt Herbener. „Wir hatten hier eine interessante Dame aus Liberec“, sagt er, „heute Abend treffen wir die Entscheidung“.

Die Dame aus Liberec ist die 30-jährige Monika Urbanova. Als Rezeptionistin hat sie schon in einigen Hotels in Prag gearbeitet, trotzdem würde sie lieber in ein kleines Dorf in Sachsen gehen. Ihr geht es nicht ums Geld, sagt sie, aber um eine bessere Atmosphäre und um die Chance, in Deutschland Fuß zu fassen. „Es wird ein Start für mich sein. Ich werde mich erst einmal in die Arbeitsprozesse am deutschen Arbeitsmarkt einleben. Später kann ich mich hier nach etwas anderem umsehen. Gehaltsbedingungen sind jetzt nicht so wichtig, entscheidender ist die Erfahrung“, sagt Urbanova hoffnungsvoll.

Im Gegensatz zu Urbanova ist die 27-jährige Kamila Kowalewska enttäuscht. „Ich habe gehofft, es würde hier mehr Positionen für Qualifizierte geben – für Büroangestellte und so weiter. Aber solche Jobs gibt es hier kaum, die meisten sind im Bereich der Gastronomie oder des Maschinenbaus, Dinge für Männer“, sagt die Polnischlehrerin aus dem nahen Zgorzelec.

Nach fast einer Stunde ist der Saal leer, nur die Unternehmer und Journalisten bleiben. Obwohl für die Veranstaltung in der Presse geworben wurde, sind nicht einmal 100 Menschen gekommen. Jürgen Hammer von der Arbeitsagentur „Taxless Unlimited“ ist aber dennoch zufrieden. „Wir hatten viele Leute hier. Denjenigen, die über gute Deutschkenntnisse verfügen, können wir Arbeit anbieten“, sagt er. Schlosser, Schweißer, Lkw-Fahrer und Elektriker würden am meisten nachgefragt, sagt Hammer. „Aber nicht hier im Grenzgebiet, sondern in Süddeutschland, in Ländern wie Baden-Württemberg oder Bayern, wo es einen Arbeitskräftemangel gibt“, erklärt der Arbeitsvermittler, dessen Agentur die Mehrheit der erfolgreichen Bewerber nach Süddeutschland vermittelt. Heute hat er für einen Maurer aus Tschechien Arbeit gefunden, und mit vier anderen klappt es vielleicht auch. „Ohne Deutsch geht es aber nicht. Es müssen Grundkenntnisse vorhanden sein. Der Arbeiter muss verstehen, was von ihm gewünscht ist und sagen, wenn etwas nicht funktioniert“, lautet Hammers Resümee.

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