Politik : Jörg Haider: Kommt der FPÖ-Chef nach Deutschland?

Markus Huber

Was ist jetzt mit Jörg Haider? Kommt er, oder kommt er nicht? Betritt der ehemalige Chef der FPÖ erstmals in Staatsmission deutschen Boden, oder bleibt er doch lieber daheim, am warmen Wörthersee? Eine Freiheitliche kommt sicher an diesem Dienstag nach Heidelberg: Susanne Riess-Passer, Österreichs Vize-Kanzlerin und Haiders Nachfolgerin im Vorsitz der "Freiheitlichen" in Österreich, der FPÖ. Eingeladen ist Haider nicht, aber das hat bei ihm nichts zu bedeuten. Er macht ja doch immer, was er will. Und nach Heidelberg will er kommen. Das hat er jedenfalls gesagt.

Es mag sein, dass Wien immer noch die Hauptstadt Österreichs ist - der Mittelpunkt der österreichischen Innenpolitik ist in diesen Tagen Heidelberg. Das hat mit der Europäischen Union (EU), mit den Sanktionen der 14 EU-Staaten gegen Österreich und mit den Herren Martti Ahtisaari, Manuel Oreja und Jochen Frowein zu tun. Diese drei sind die so genannten Weisen, die im Auftrag der Union die politische Lage in Österreich prüfen. Im Moment sind sie in Heidelberg in Klausur, um in der Ruhe des Max-Planck-Instituts für Völkerrecht, dessen Ordinarius Frowein ist, ihren Bericht zu verfassen.

Mit der Ruhe und Abgeschiedenheit ist das aber so eine Sache. Auch in Heidelberg. Auf Bitten und Drängeln einiger österreichischer Institutionen haben sich die Weisen bereit erklärt, noch einmal österreichische Delegationen zu empfangen, die etwas zur Lage der Nation sagen wollen: Menschenrechtsgruppen, Ausländerbeauftragte, Schwulensprecher, alles Regierungsgegner.

Aber auch die FPÖ wollte noch einmal gehört werden. Denn mit Susanne Riess-Passer hatten die Weisen noch nicht gesprochen, weil die Vize-Kanzlerin bei der Wien-Visite der Drei gerade in Thailand weilte. Sie machte dort Urlaub. Mit Haider wollten die Weisen nicht reden. Erstens habe der Mann keine Parteifunktion mehr, zweitens, so meinen sie, sei über ihn schon alles gesagt.

Es sieht so aus, als hätten Ahtisaari und seine Kollegen nicht sehr viel Spaß. Den ganzen Tag haben sie sich in ihrem Besprechungszimmer eingeschlossen, und als sie dann doch vor die österreichische Presse treten, sagen sie, dass sie nichts sagen. Nur das: Die Gesprächsrunden "fanden auf Wunsch der Gäste statt".

Besprechung bis um 2 Uhr morgens

Anders die Österreicher. 25 unterschiedliche humanitäre Organisationen treffen die drei Weisen in drei Gruppen. Welche Botschaft sie überbringen wollen, das hatten die Gruppen am Montagabend in einem Heidelberger Restaurant besprochen. Das Treffen dauerte bis 2 Uhr morgens. Die Weisen wurden über die Wahlkämpfe der FPÖ informiert, über die Situation der slowenischen Minderheit in Kärnten, über die der schwulen Ausländer in Wien. Und natürlich hatte jeder etwas über Haiders Charakter zu sagen.

Und was ist jetzt mit Haider? Es ist nach 14 Uhr, und er ist immer noch nicht hier. Dabei hatte er aus Kärnten verlauten lassen, dass er vielleicht als blinder Passagier von Riess-Passer anreisen würde. Ein Coup, wie er sagte. Da, plötzlich taucht ein Porsche auf - Haider fährt privat ebenfalls Porsche. Aber der Porsche fährt weiter.

Länger als zwei Stunden wird Riess-Passer von den drei Weisen befragt. "Ein angenehmes Gespräch mit gut informierten Herrn" in einem guten Klima sei es geworden, wird Österreichs Vize-Kanzlerin später sagen: "Es war wichtig, dass ich gekommen bin, denn so haben die Weisen an diesem Tag nicht nur die Position der Kritiker gehört." Und während sie hinzufügt: "Ich glaube, dass mein Besuch geholfen hat, dass die Sanktionen gegen Österreich so rasch wie möglich aufgehoben werden", verschwinden die Weisen wieder im Arbeitszimmer. Zufrieden ist allerdings auch Doron Rabinovici, Autor und Sprecher der "Aktionsplattform demokratische Offensive": "Unsere Mission hat ihr Ziel erreicht, weil wir durch unser Kommen bewirkt haben, dass Riess-Passer auch hierher fahren musste."

Und plötzlich steht Haider doch im Raum. Nicht wirklich, aber man kann ihn spüren. "Ich finde es sehr schade", sagt Riess-Passer, "dass die drei nicht mit Jörg Haider reden wollten. Es wird so viel über ihn geredet, da sollten sie mal auch mit ihm reden." Dafür redet ja sie.

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