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Johannes Ponader : „Wir beleidigen uns jetzt nur noch über Stunden“

01.09.2012 12:53 Uhrvon , und
Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei: Johannes Ponader Foto: Kai-Uwe HeinrichBild vergrößern
Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei: Johannes Ponader - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Johannes Ponader ist Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei. Im Tagesspiegel-Interview spricht er über den Zustand der Partei, persönliche Fehler und er gibt ein Versprechen ab.

Herr Ponader, die Piratenpartei steckt im Umfragetief, es gibt kaum inhaltliche Kontroversen, dafür persönlichen Streit. Treten die Piraten auf der Stelle?

Nein. Vergleicht man unsere gegenwärtige Situation mit dem Hype rund um die drei Landtagswahlen, dann haben Sie recht. Aber wir stehen in den Umfragen immer noch bei 350 Prozent unseres letzten Bundestagswahl-Ergebnisses und so gesehen geht es uns gut.

Aber der Trend geht abwärts.

Warum steht bei Ihnen der Streit im Vordergrund?
Das ist ein Problem. Einmal im Jahr haben wir einen Programmparteitag, wie im November in Bochum, da ballt sich alles und da entscheiden wir inhaltlich. Jetzt haben wir eine gewisse Ruhephase, wo mehr im Verborgenen gearbeitet wird, die eignet sich wunderbar, um personelle Konflikte auszutragen und so ist es ein Sommer der Eitelkeiten. Wir wollen unsere Konflikte leben und nicht unterdrücken, denn sie gehören zum politischen Prozess. Politik ist Konflikt, Interessenkonflikt, der sich lösen will. Wir wollen unsere Probleme konstruktiver lösen. Und es hat sich etwas verändert. Wir beleidigen und beschimpfen uns nicht mehr so vehement – und nicht mehr über Tage, sondern nur noch über Stunden.

Die öffentliche Wahrnehmung ist aber eine andere. Sehen Sie die Notwendigkeit, die Kommunikation zu ändern?
Wir müssen kampagnenfähiger werden und lernen, uns die Bälle zuzuwerfen. Steht jemand in der Kritik, müssen die anderen ihn stützen. Wir schaffen es derzeit nicht, uns für einen bestimmten Zeitraum auf ein bestimmtes Politikfeld zu konzentrieren. Wir können uns gut Kampagnen anschließen, die aus der Zivilgesellschaft kommen, da sind wir sehr gut und dienen auch als Verstärker. Aber wir stoßen selbst zu selten Kampagnen an. Hinzu kommt, dass wir Konflikte auch öffentlich austragen. Das ist der Konfliktlösung nicht immer zuträglich.

Ist Twitter da manchmal ein Fluch?
Twitter ist ein Fluch, wenn wir den Moment nicht erkennen, in dem wir den Telefonhörer in die Hand nehmen müssen. Aber wir denken als Piraten laut und nutzen Twitter als soziales Vibrationsfeld, das uns eine Rückmeldung gibt, aus der wir lernen. Ich versuche, nie zu lästern und nachzutreten. Und ich verbitte mir, dass andere mich respektlos behandeln.

Fanden Sie den Umgang mit Ihrer Person zuletzt immer respektvoll? Der bayerische Landesvorsitzende der Piraten sagte: „Es entsteht der Eindruck, Johannes Ponader gehe es nicht um uns alle als Piraten, sondern um seine persönliche Agenda.“
Das ist ein respektvoller Einwand. Da ist keine Gewalt drin, das ist keine Unterstellung, das ist seine Wahrnehmung und dafür bin ich dankbar, denn so kann ich antworten und sagen: Wenn es mir nur um mich ginge, würde ich jetzt erst mal vier Wochen Urlaub machen.

In Bildern: Wie die Piraten 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen:

Sie wurden auch mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Haben Sie Fehler gemacht im Umgang mit der Spendenaktion für Sie und Ihrem Streit mit dem Jobcenter?
Ja sicher. Es war ein Fehler, dass ich die Spendenaktion, die für mich ins Leben gerufen wurde, mit dem Thema Grundeinkommen verbunden habe. Das hat viele Menschen irritiert, weil der Begriff Grundeinkommen viel mehr umfasst. Das habe ich versucht zu korrigieren. Ansonsten habe ich mich viel zu wenig in der Partei rückversichert und zu viele Alleingänge gewagt.

Was für Alleingänge?
Zum Beispiel die Entscheidung, kein Hartz IV mehr in Anspruch zu nehmen, aus Protest gegen die Bundesagentur für Arbeit. Ich hätte in dieser Debatte stärker dagestanden, wenn es eine gemeinsame Entscheidung einer größeren Gruppe gewesen wäre und nicht meine persönliche. Aber das war eine Drucksituation, in der ich schnell handeln und entscheiden musste. Das würde ich wahrscheinlich jetzt anders machen.

Aber auch wieder so offensiv?
Offen gesagt, ich weiß es nicht …

Es ist der Eindruck entstanden, dass Sie sich Ihr Ehrenamt vom Jobcenter finanzieren lassen wollten.
Das stimmt, ich habe Fehler gemacht in der politischen Kommunikation. Ich wollte mir nie mein Ehrenamt vom Jobcenter finanzieren lassen. Ich habe immer meine Erwerbstätigkeit in erster Linie verfolgt und das gemacht, was ich konnte, um Aufträge zu bekommen. Erst der Job, dann das politische Amt.

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