John Podesta : Er zieht für Hillary Clinton die Strippen

John Podesta ist ein Veteran der politischen Grabenkämpfe in Washington. Nun organisiert er Hillary Clintons Wahlkampf-Kampagne. Podesta und der Clinton-Clan verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit.

Paul Middelhoff
John Podest leitet das Wahlkampfteam von Hillary Clinton.
John Podest leitet das Wahlkampfteam von Hillary Clinton.Foto: Getty/AFP

Wenn die amerikanische Hauptstadt Washington eine Löwengrube ist, in der eitle Raubkatzen um Einfluss und Macht kämpfen, dann ist John Podesta ihr Dompteur. Der 66 Jahre alte Jurist aus Chicago gilt seit Anfang der 90er Jahre als gewiefter Strippenzieher der Demokraten. Nun steigt er bei der nächsten Präsidentschaftswahl für Hillary Clinton in den Ring - als Chef ihres Wahlkampfteams. „Jetzt ist es offiziell: Hillary steigt in das Rennen um die Präsidentschaft ein“, schrieb Podesta am Sonntag in einer Mail an Unterstützer der ehemaligen US-Außenministerin und gab damit den lang ersehnten Startschuss für den Vorwahlkampf der Demokraten.

Podesta ist seit Jahrzehnten eng mit der Familie Clinton verbunden: Dem Präsidenten Bill Clinton diente er bis zum Ende seiner Amtszeit als Stabschef im Weißen Haus. Dort etablierte sich der Marathonläufer Podesta als gerissener Stratege. Um die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress zu umgehen, riet Podesta dem Präsidenten, die Auseinandersetzung mit dem Parlament mithilfe von Verfügungen zu vermeiden - noch heute spricht man in Washington von diesem Manöver als dem „Projekt Podesta“. Seine Loyalität zum Clinton-Clan bewies Podesta auch, indem er den damaligen Präsidenten in Kongressanhörungen gegen Vorwürfe des Meineids in der Affäre um die Praktikantin Monica Lewinsky verteidigte. Seitdem gilt Podesta als eiserner Clinton-Mann.

Wenige Jahre später schwang sich der Jurist zum Kritiker von Präsident George W. Bush auf. Bei einer Rede vor Studenten in Hamburg erklärte er, dass Bush bei seinem Vorgehen im Irak „wichtigste Verbündete und das internationale Recht“ übergangen habe. Im Jahr 2003 gründete er die liberale Denkfabrik „Center for American Progress“, der er bis heute vorsteht.

Auf Empfehlung der Clintons wechselte Podesta im Jahr 2008 für kurze Zeit das Lager: Nachdem Hillary Clinton im Vorwahlkampf gegen Barack Obama verlor, organisierte Podesta als Chef des „Transition Teams“ die Übernahme des Weißen Hauses durch den damals unerfahrenen Obama. Angeblich lehnte der Vordenker einer ökologischen Erneuerung der USA kurze Zeit später den Posten des Energieministers ab, den Barack Obama ihm angeboten haben soll.

Hillary Clinton steht mit John Podesta ein Veteran der politischen Grabenkämpfe in Washington zur Seite. Ein möglicher Konkurrent der Republikaner wird es auch deshalb schwer gegen Hillary haben.

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