Politik : Jojo mit Doktor Kohl (Glosse)

Aus der Kolumne "Matthies meint"

Das muss eine recht heitere Veranstaltung gewesen sein im "Cheval Blanc" zu Niedersteinbach, einen Steinwurf von der Pfälzer Grenze entfernt im Elsass. Nur der Herr Doktor Kohl, seine Frau, zwei Freunde und zwei katholische Geistliche, dazu Quiche Lorraine, Hechtklößchen, Kuchen und Riesling - und das, während die Berliner Sicherheitsleute unter den Blumengrüßen zum 70. des Altkanzlers fast zusammenbrachen. Wir erkennen darin mehrere Motive, die das Leben des Jubilars bestimmten: Die Neigung zum bescheidenen, aber kaloriensatten Mahl verbunden mit trotziger Ablehnung des extrem Verfeinerten, mochten die anderen Staatschefs noch so sehr im Kaviar wühlen. Die Freude am Austricksen der verachteten Pressemeute, die vermutlich frustriert in Deidesheim beim Saumagen saß, nachdem sie die Spur des Dienst-Daimlers in Oggersheim verloren hatte. Und, nicht zuletzt, die Neigung zum Ablasshandel; erst Schwarzgeld verstecken, dann Weißgeld zurückgeben, das hatten wir gerade. Gegen die Sünde der Fettlebe im Elsass hat Kohl nun nicht nur den Segen der beiden Priester gesetzt, sondern vor allem die alljährliche Fastenkur in Bad Hofgastein, die nächsten Donnerstag beginnt - und garantiert so wenig hilft wie das Geldsammeln. Kohl wird damit zum Kronzeugen des Jojo-Effekts, der besagt, dass Dicke nach der nächsten Diät noch dicker werden. So bleibt er wenigstens unter den Staatsmännern der Welt weiter das Schwergewicht schlechthin.Aus der Kolumne "Matthies meint"

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