Politik : Jolo: Militär will Amerikaner befreien

Nach der sicheren Heimkehr von zwei befreiten französischen Geiseln haben die philippinischen Streitkräfte am Donnerstag mit einer Aktion zur Befreiung des verschleppten Amerikaners Jeffrey Schilling begonnen. Präsidentensprecher Ricardo Puno erklärte, die Armee habe das Gebiet ausfindig gemacht, in dem Schilling festgehalten werde. Der von Moslemrebellen entführte Amerikaner meldete sich am Donnerstag telefonisch bei einem Radiosender. An der Seite eines Rebellenführers forderte er die philippinische Regierung zur Einstellung ihrer Offensive auf der Insel Jolo auf. Inzwischen trafen die beiden französischen Ex-Geiseln der Abu Sayyaf in Paris ein.

Die Militäraktionen schadeten der Zivilbevölkerung, was den Kämpfern der Organisation Abu Sayyaf neuen Zulauf verschaffe, sagte Schilling auf der Frequenz von Radio Mindanao. "Mir geht es gut", erklärte der 24-Jährige, der sich seit dem 28. August in der Gewalt von Abu Sayyaf befindet. Abu-Sayyaf-Sprecher Abu Sabaya erklärte in derselben Rundfunksendung, er sei zur Aufnahme von Verhandlungen bereit.

Schilling habe offenbar nicht frei sprechen können, sagte Regierungssprecher Puno. Sabaya habe ihn für seine Propagandazwecke benutzt. Neben Schilling sind noch drei Malaysier, ein im April zusammen mit der Göttinger Familie Wallert entführter Filipino und zwölf christliche Prediger in der Gewalt von Abu Sayyaf. Ein Regierungsvertreter räumte am Donnerstag ein, dass die Streitkräfte die Spur der drei Malaysier verloren hätten. Die Extremisten hätten sich über Satellitentelefon um die Hilfe Libyens für die Wiederaufnahme von Verhandlungen bemüht. Daran hätten die Streitkräfte aber vermutlich kein Interesse.

Nach am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Armee fielen der Offensive 18 Moslemextremisten zum Opfer, Berichte über den Tod von 42 weiteren Kämpfern hätten bislang nicht bestätigt werden können. Bei den seit sechs Tagen andauernden Kämpfen seien sechs Regierungssoldaten verwundet worden. Vier Unbeteiligte, deren Tod gemeldet worden war, wurden nach Angaben eines Militärsprechers lediglich verletzt. Verletzte Dorfbewohner berichteten dagegen von mindestens drei weiteren getöteten Zivilisten.

Die Fernsehjournalisten Jean-Jacques Le Garrec und Roland Madura wurden am Morgen auf dem Rollfeld des Pariser Flughafens Charles-de-Gaulle von ihren Familien und Freunden begrüßt. Sie waren in der Nacht zum Mittwoch den Moslemextremisten auf der Insel Jolo entkommen. Ihre Flucht hätte an ihrem leicht verwahrlosten Zustand scheitern können. "Die philippinischen Militärs haben uns zunächst nicht erkannt", sagte der Tontechniker Madura auf dem Flughafen Roissy bei Paris. "Als ich mit meiner verschlammten Hose aus dem Busch kam, hielten sie mich für einen Abu-Sayyaf-Kämpfer." Die beiden bekräftigten erneut, dass die philippinischen Soldaten mit dem Ausgang der Geiselnahme direkt nichts zu tun hatten. Als sie von den Soldaten im Dschungel aufgelesen worden seien, hätten diese Siegeszeichen gemacht und ausgerufen: "Wir haben zwei gerettet." Diese Aussage sei jedoch nicht gerechtfertigt. "In Wirklichkeit haben sie nichts gerettet, wir haben uns selbst gerettet", so Madura.

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