Jon Ossoff : Demokraten mit symbolträchtigem Erfolg in Republikaner-Hochburg

Der Kandidat verpasst bei einer Nachwahl für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus im ersten Wahlgang nur knapp die absolute Mehrheit. Im Juni muss er nun erneut antreten.

Jon Ossoff spricht mit freiwilligen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern in Marietta, Georgia.
Jon Ossoff spricht mit freiwilligen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern in Marietta, Georgia.Joe Raedle/Getty Images/AFP

Mit einem klaren Sieg in der ersten Runde der Wahl um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus hat der Demokrat Jon Ossoff in der Republikaner-Hochburg Georgia seiner Partei neue Hoffnung gegeben. Der als "Anti-Trump" gehandelte 30-jährige Politiker verfehlte bei der Wahl am Dienstag in dem Kongress-Wahlbezirk im Norden Atlantas zwar die entscheidende Marke von 50 Prozent und muss nun in die Stichwahl gegen die republikanische Widersacherin Karen Handel.

Die Wahl galt als erster Stimmungstest der Präsidentschaft Donald Trumps. Der Wahlbezirk, in dem Ossoff antrat, wurde zuvor jahrzehntelang von den Republikanern gehalten. Der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, hatte hier seinen Wahlkreis und vertrat den Bezirk 20 Jahre lang in Washington. Zuletzt hatte Trumps heutiger Gesundheitsminister Tom Price den Sitz inne. Durch Prices Wechsel in die Regierung wurde die Nachwahl nötig.

"Sieg für die Ewigkeit"

Der Demokrat Ossoff kam nach Auszählung von fast 90 Prozent der Stimmen auf 48,3 Prozent und lag damit weit vor Handel mit 19,7 Prozent. Die Stichwahl am 20. Juni dürfte zwar wegen möglicher Mobilisierungseffekte im republikanischen Lager nach der deutlichen Wahlniederlage Handels schwieriger zu gewinnen sein, dennoch zeigte sich Ossoff am Dienstag siegessicher.

"Kein Zweifel, das war schon ein Sieg für die Ewigkeit", sagte er vor begeisterten Anhängern. "Wir sind bereit zu kämpfen und werden im Juni gewinnen", sagte der Politjungstar und frühere Dokumentarfilmer. Die Demokraten hatten bereits im Vorfeld gehofft, dass Ossoff aus dem Niedergang der Popularitätswerte von US-Präsident Donald Trump während der ersten rund hundert Tage der Präsidentschaft Kapital schlagen würde. Die Partei hatte den Wahlkampf des weitgehend unbekannten Kandidaten massiv unterstützt und mehrere Millionen Dollar Spenden für Ossoff eingeworben.

Trump hatte angesichts einer möglichen Niederlage in Georgia seine Parteianhänger in dem Bundesstaat zur Stimmabgabe aufgerufen. Mehrfach meldete er sich am Wahltag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort, um republikanische Wähler im Bezirk zur Stimmabgabe zu bewegen. Auch am Mittwochmorgen versuchte er, die weniger als 20 Prozent Handels als Erfolg zu deuten. "Es hat mich gefreut, helfen zu können!", schrieb er auf Twitter. (dpa/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

3 Kommentare

Neuester Kommentar