Politik : Jordanien: Ein König auf Werbetour

Andrea Nüsse

Zwei sehr unterschiedliche Länder stehen diesmal auf dem Reiseprogramm des jordanischen Königs Abdallah II., die jedoch eines verbindet: Die Wiedervereinigung jahrzehntelang getrennter Landesteile. Nachdem der jordanische Monarch den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh am Sonntag zum elften Jahrestag der Wiedervereinigung zwischen Norden und Süden in Sanaa beglückwünscht hat, reist er nach Deutschland weiter. In Berlin trifft er am Dienstag mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem Arbeitsessen zusammen. Dabei wird es jedoch weniger um Freuden und Leiden der deutschen Wiedervereinigung gehen, als um die explosive Situation in Nahost.

Abdallah wird in Deutschland Unterstützung für den ägyptisch-jordanischen Friedensplan und die Umsetzung des Berichts der internationalen Mitchell-Kommission suchen, die beiden diplomatischen Initiativen, die einen Ausweg aus der verfahrenen Situation in Nahost bieten könnten. Die Hoffnung ist wohl, dass Deutschland und die EU ihren Einfluss auf Israel geltend machen, damit es die auf dem Tisch liegenden Vorschläge in ihrer Gesamtheit akzeptiert.

Der jordanische Herrscher wird dies mit Nachdruck vortragen und dem Bundeskanzler dabei auch nicht verschweigen, welche Auswirkungen das unverhältnismäßige Vorgehen Israels gegen die Palästinenser bei ihm zu Hause hat: In den vergangenen Wochen haben sich die israelfeindlichen Demonstrationen gemehrt, trotz eines generellen Demonstrationsverbots, das seit Ausbruch der Intifada gilt. Dabei ist die Polizei teilweise gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen, was die Nervosität des Regimes belegt.

Doch der junge Monarch, der von seiner Frau Rania begleitet wird, möchte die Gelegenheit auch nutzen, um deutsche Investoren für sein Land zu interessieren. So findet auf seinen Wunsch hin am Dienstagmorgen zunächst ein Frühstück mit deutschen Managern im Haus der Deutschen Wirtschaft statt. Den Wirtschaftsvertretern will Abdallah II. die Vorzüge der letzte Woche eröffneten Freihandelszone in Aqaba schildern, die einen besonderen Anreiz für ausländische Investoren bieten soll. Nach seinem Gespräch mit Bundeskanzler Schröder werden beide Politiker eine jordanische Wirtschaftsdelegation empfangen, die sich gleichzeitig in Berlin aufhält. Die Teilnehmer der Abordnung stellen Projekte mit einem Volumen von 800 Millionen Dollar vor, für die sie deutsche Joint-Venture-Partner suchen - darunter Abfall-, Entsalzungs- und Wasseraufbereitungsanlagen.

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