Politik : Jordanien: Geschäftsmann durch Schüsse getötet

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In Jordaniens Hauptstadt Amman ist am Diestag ein israelischer Geschäftsmann ermordet worden. Während eine unbekannte Gruppe der "Noblen von Jordanien" die Verantwortung für den Mord an dem angeblichen CIA-Agenten übernahm, vermuten die jordanischen Behörden einen kriminellen Hintergrund.

Der Fernsehsender der libanesischen Hizbollah, al-Manar, hatte am Dienstag ein Kommunique verlesen, in dem die bisher unbekannte Gruppe sich zu dem Mord bekannte. Das Opfer wird als CIA-Agent bezeichnet. Zugleich werden "zionistische Juden" und Amerikaner aufgefordert, Jordanien zu verlassen. Sie würden auf jordanischem Boden als "legitime Ziele" betrachtet. Es sei an der Zeit, den "bedrängten Brüdern in Palästina zu Hilfe zu kommen".

Der libanesische Fernsehsender habe das Kommunique per e-mail bereits in der Nacht zum Dienstag bekommen, aber wegen Zweifel an der Glaubwürdigkeit nicht veröffentlicht. Der jordanische Informationsminister Saleh Kallab hatte vermutet, der Tod des Geschäftsmannes stehe im Zusammenhang mit finanziellen Auseinandersetzungen. Auch die israelische Botschaft schloss nicht aus, dass es sich um ein Verbrechen mit geschäftlichem Hintergrund handelt.

Der Diamantenhändler war häufig in Amman, wo er eine eigene Wohnung besaß. Es ist der erste Mord an einem Israeli in Jordanien, seit beide Länder 1994 einen Friedensvertrag unterzeichnet haben, der allerdings von der breiten Bevölkerung nur widerwillig mit getragen wurde. Im November und Dezember vergangenen Jahres waren zwei Angestellte der israelischen Botschaft bei Anschlägen in Amman verletzt worden. Dazu hatten sich verschiedene Organisationen bekannt. Angesichts der wachsenden anti-israelischen Stimmung in Jordanien ist ein politischer Mord denkbar. Der Ruf nach Aufhebung des Friedensvertrages wird angesichts des israelischen Vorgehens gegen die Palästinenser lauter und setzt König Abudllah II. unter Druck. Da das Bekennerschreiben einging, bevor der Tod des Israelis bekannt wurde, scheint es echt zu sein.

Kritik an Israel

Der palästinensische Staatsminister Siad Abu Sajad sagte am Dienstag, die Autonomiebehörde verliere wegen der israelischen Politik der Liquidierung mutmaßlicher Extremisten zunehmend ihren Einfluss über die radikal-islamische Hamas-Bewegung und die Islamische Dschihad (Heiliger Krieg). Die gezielte Tötung politischer Gegner durch Israel treibe die Palästinenser in die Arme der Radikalen und erschwere es der Autonomiebehörde, die Kontrolle zu behalten.

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