Jordanien : Irakerin mit Sprengstoffgürtel verhaftet

Nach den blutigen Bombenanschlägen in Amman hat die jordanische Polizei die Ehefrau eines der drei irakischen Selbstmordattentäter festgenommen.

Amman/Kairo - Die Irakerin Sadschida al-Raschawi lebe nur deshalb noch, weil der Sprengstoffgürtel, den sie getragen habe, nicht explodiert sei, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Marwan al-Muaschir. Ihrem Ehemann Ali Hussein Ali al-Schammari (35) sei es dagegen gelungen, sich im Hotel Radisson SAS in die Luft zu sprengen. Die insgesamt drei Selbstmordattentäter hatten am vergangenen Mittwoch in drei Luxus-Hotels in Amman 57 Menschen getötet.

Die 35-jährige Al-Raschawi wurde am Sonntagabend im jordanischen Fernsehen gezeigt und berichtete dort über ihre Beteiligung an dem Terroranschlag: «Wir betraten das Hotel und ich stellte mich in eine Ecke, mein Mann in eine andere. Ich versuchte meinen Sprengstoffgürtel bei einer Hochzeitsfeier zu zünden, bei der auch Frauen und Kinder anwesend waren, aber er funktionierte nicht. Zur gleichen Zeit gelang es meinem Mann, seinen Sprengstoffgürtel zu zünden», schilderte sie am Sonntag mit ruhiger Stimme bei dem Fernsehauftritt. Als die Hochzeitsgäste in Panik aus dem Saal gelaufen seien, sei sie mit ihnen hinausgerannt.

Nach Al-Raschawis Angaben war sie am 5. November mit ihrem Mann nach Jordanien eingereist, der dort eine Wohnung gemietet habe. Sie erwähnte in ihrem kurzem TV-Auftritt weder die beiden anderen Selbstmordattentäter noch irgendwelche Verbindungen zur Terrorgruppe Al Qaida im Zweistromland des Jordaniers Abu Mussab al-Sarkawi, die sich im Internet zu den Anschlägen von Amman bekannt hatte. Al-Raschawi stammt nach eigener Aussage aus der irakischen Stadt Ramadi, einer der Hochburgen der Aufständischen im Westen des Landes. Sie soll die Schwester des Sarkawi-Getreuen Thamer Atrous sein, der bei einer Militäroperation bei Falludscha getötet worden war.

Die jordanische Regierung hatte am Samstag bestätigt, dass nach ihren Ermittlungen die Bombenanschläge von Terroristen des Al-Qaida-Netzwerks verübt worden waren. «Eine Organisation stand hinter den Anschlägen - Al Qaida», sagte Ministerpräsident Adnan Badran am Samstag im Fernsehen. Sein Stellvertreter Marwan Muascher präzisierte auf einer Pressekonferenz, Nachforschungen hätten bestätigt, dass der jordanische Al-Qaida-Terroristenchef Al-Sarkawi, «Drahtzieher» der Anschläge vom vergangenen Mittwoch gewesen sei.

Muascher kündigte Solidaritätsbesuche von US-Außenministerin Condoleezza Rice, Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und des EU-Chefdiplomaten Javier Solana für die nächsten Tage in Amman an. Der Vizeregierungschef betonte, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Jordanien weiter verstärkt worden seien. In großen Hotels und anderen wichtigen Orten würden neu importierte hochmoderne Sicherheitsschleusen und Durchleuchtungsgeräte installiert. (tso/dpa)

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