Jordanische Regierung : Attentäter von Amman war Einzeltäter

Die Regierung Jordaniens sieht bei dem Anschlag vom Montag keine Verbindung des Täters zu Terrorgruppen. Bei dem Attentat war in Amman gestern ein Urlauber getötet und fünf weitere verletzt worden.

Amman - Der aus dem gleichen Ort wie der im Irak getötete Al Qaida-Chef Abu Mussab el Sarkawi stammende Mann habe ersten Ermittlungen zufolge "keine Verbindungen zu terroristischen Gruppen" gehabt, sagte Regierungssprecher Nasser Dschawdeh. Auch über Kontakte des 38-jährigen Jordaniers palästinensischer Herkunft zu "verdächtigen Gruppen im In- und Ausland" sei nichts bekannt. Der Mann hatte am Montag im römischen Amphitheater von Amman das Feuer auf eine Gruppe von Urlaubern eröffnet und einen Briten getötet. Fünf weitere Urlauber und ein jordanischer Polizist wurden verletzt.

Die Zeitung "El Ghad" berichtete unter Berufung auf Sicherheitsbeamte, der Mann namens Nabil Ahmad Issa Dschaaura sei vor einigen Jahren wegen "krimineller Vergehen" in Israel festgenommen worden. Den Ermittlern habe er gesagt, dass er seit dem Tod seines Bruders während des israelischen Einmarschs im Libanon im Jahr 1982 "voller Hass" gewesen sei. Laut Behördenangaben wohnte der im palästinensischen Flüchtlingslager von Bakaa nordwestlich von Amman geborene Schmied mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Sarka, der Geburtsstadt von Sarkawi. Der jordanische Regierungschef Maaruf Bachit hatte am Montag gesagt, der Attentäter sei der Polizei einschlägig bekannt gewesen.

Drohungen Al Qaidas gegen Jordanien

Das lange Jahre als eines der stabilsten Länder im Nahen Osten geltende Jordanien war am 9. November 2005 November von drei Selbstmordanschlägen auf Hotels erschüttert worden, zu denen sich das Al Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden bekannte. Unter den 60 Toten waren auch zehn Nicht-Jordanier. Sarkawi war im Juni bei einem Luftangriff der USA im Norden von Bagdad getötet worden. Al Qaida hatte Jordanien, das 1994 einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichente, der Komplizenschaft mit den USA und Israel bezichtigt und mit weiteren Anschlägen gedroht.

Die jordanischen Behörden wollten die seit November bestehenden Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben nicht erhöhen. Die Botschaften der USA und Frankreichs in Jordanien empfahlen ihren Staatsangehörigen, sich nicht ins Zentrum der jordanischen Hauptstadt begeben. Die fünf bei dem Anschlag in Amman vom Montag verletzten Touristen - zwei Britinnen, eine Neuseeländerin, eine Australierin und ein Niederländer - wurden am Dienstag noch im Krankenhaus behandelt. (tso/AFP)

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