Josef Ackermann : Auf dem Beichtstuhl

Wer gekommen ist, um eine Entschuldigung zu hören, der hätte gleich zu Hause bleiben können. So etwas gibt es von den Bankern derzeit nicht. Erst recht nicht von Josef Ackermann. Doch in der Katholischen Akademie wird Josef Ackermann immerhin nachdenklich

Stefan Kaiser

Immerhin ist der Chef der Deutschen Bank so etwas wie ein Gewinner der Krise. Sein Haus kommt bisher vergleichsweise glimpflich davon. Der Saal der Katholischen Akademie ist überfüllt. Mehr als 300 Leute sind am Dienstagabend gekommen, um zu hören, was Deutschlands wichtigster Banker zur Krise zu sagen hat. Der Aufklärungsbedarf ist groß. Und die Banker haben lange geschwiegen.

Josef Ackermann spricht. Ein wenig verkrampft sitzt er auf seinem Stuhl – die Schultern nach vorne gebeugt, die Hände gefaltet – und antwortet auf die Fragen des Moderators. Es ist kein Heimspiel für ihn. Im Publikum sitzen keine Banker, sondern ganz normale Berliner. Ihnen erklärt er die Krise. Und ab und an zeigt er ein wenig Reue. Gut dosiert. Nie so viel, dass man ein persönliches Fehlverhalten daraus ableiten könnte. Einzelne Banken seien zu hohe Risiken eingegangen, sagt er. „Man hat gehofft, dass es irgendwie gut geht.“

Bis vor kurzem war Ackermann ein lautstarker Verfechter der reinen Lehre. Der Markt soll es richten, der Staat draußen bleiben. Doch mittlerweile schlägt er nachdenklichere Töne an. „Wir haben jahrelang gesagt, alles sollte marktbasiert sein und freiwillig“, sagt Ackermann. „Es hat sich aber gezeigt, dass einzelne Banken und Bankengruppen das Problem nicht lösen können.“ Die Hilfe des Staates sei „hochwillkommen“. Am Grundprinzip der freien Märkte zweifelt er jedoch nicht.

Über Schuld möchte Ackermann nicht reden. Er ist ein Techniker. Moraldiskussionen liegen ihm nicht. Deshalb spricht er lieber von Liquidität und Eigenkapital. Doch einen entscheidenden Punkt hat er ausgemacht: die Pleite der Bank Lehman Brothers, die die US-Regierung trotz Warnungen hingenommen hat. „Dieses Exempel jetzt zu statuieren war sicher ein Fehler“, sagt Ackermann. Er spricht von einer politischen Entscheidung.

Selbst wolle die Deutsche Bank keine Hilfen vom Staat. Zumindest im Moment nicht. Ob er sich denn retten lassen würde, wenn es nötig sei, wird Ackermann gefragt. Die Antwort kommt schnell: „In Freiheit zu sterben ist nicht unser Ziel.“ Stefan Kaiser

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