Politik : Josef Felder ist tot: Letzter Reichstagsabgeordneter starb im Alter von 100 Jahren

Zwei Monate nach seinem 100. Geburtstag ist der letzte Reichstagsabgeordnete der SPD, Josef Felder, gestorben. Der Ehrenvorsitzende der bayerischen SPD starb am Samstagabend in seiner Münchner Wohnung. Anlässlich des 100. Geburtstags von Felder am 24. August hatte Bundespräsident Johannes Rau unterstrichen, der Jubilar habe sich immer auf der Seite der Vernunft, der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit und der Solidarität engagiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete den 100-Jährigen in einer Würdigung als Kämpfer für Demokratie und Freiheit. Felder habe sich die Aufklärung über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zur Lebensaufgabe gemacht.

1933 gehörte Felder zu den wenigen Abgeordneten, die dem Druck der Nationalsozialisten widerstanden und im Reichstag gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmten. 1934 wurde er verhaftet und für mehr als ein Jahr ins KZ Dachau gebracht. Nach dem Krieg fing der gelernte Buchdrucker, Spross einer Augsburger Kaufmannsfamilie, als Journalist mit neuem Elan an und bekam von den Amerikanern die Lizenz als Verleger und Chefredakteur des "Südostkurier" in Bad Reichenhall. Später übernahm er die Leitung des SPD-Parteiblattes "Vorwärts" und ging von 1957 bis 1969 nochmals für die SPD in den Bundestag. Im Ruhestand verschrieb er sich mit Vortragsreisen quer durch die Republik noch für mehr als zwei Jahrzehnte der politischen Aufklärungsarbeit.

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