Politik : Journalist aus Frankreich in Syrien getötet Acht sterben bei Granatenangriff in Homs

Damaskus - Erstmals seit dem Beginn des Aufstands vor zehn Monaten ist in Syrien ein ausländischer Journalist getötet worden. Der französische Reporter kam am Mittwoch in der Protesthochburg Homs ums Leben, als eine Granate nahe einer Gruppe von Journalisten einschlug. Der syrische Fernsehsender Addunia TV berichtete, bei dem Angriff seien mindestens acht Menschen getötet und 25 verletzt worden. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, mehrere Granaten seien zwischen den beiden Stadtvierteln Akrama und al Nusha eingeschlagen, als sich dort die Journalisten aufhielten. Nach Angaben des Fernsehsenders France 2 handelte es sich bei dem Getöteten um den erfahrenen Kriegsreporter Gilles Jacquier, der im Irak, in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war. Die Journalisten-Gruppe befand sich im Rahmen einer von den Behörden genehmigten Reise in Homs.

Ein Mitglied der arabischen Beobachtermission in Syrien warf der Staatsführung am Mittwoch schwere Verbrechen gegen das eigene Volk vor und reichte seinen Rücktritt ein. Der Algerier Anouar Malek beschuldigte Damaskus, die Beobachter der Arabischen Liga getäuscht und die ihnen gezeigten Dinge „inszeniert“ zu haben. Die Regierung verübe „nicht nur ein Kriegsverbrechen, sondern eine ganze Reihe von Verbrechen gegen das Volk“, sagte Malek dem katarischen Fernsehsender Al Dschasira. Sie habe sich bisher an keinen Punkt des Plans der Arabischen Liga gehalten. Anders als zugesagt, würden die Panzer nicht von den Straßen abgezogen, sondern versteckt und nach dem Weggang der Beobachter wieder in Stellung gebracht. „Die Gefangenen werden gefoltert, niemand wurde freigelassen“, fügte Malek hinzu. Menschen seien auf der Straße festgenommen und den Beobachtern dann als freigelassene Gefangene vorgeführt worden. Die syrische Regierung habe überdies „Spione und Mitglieder der Geheimdienste“ als Fahrer und Begleiter der Beobachter engagiert. „Sobald wir einen Bezirk verließen, wurden die Leute dort angegriffen.“

Auf Zypern wurde unterdessen ein aus Russland kommendes Schiff mit Munition für Syrien abgefangen. Medienberichten zufolge entdeckten Beamte bei einer Untersuchung zwischen 35 und 60 Tonnen Munition und Sprengsätze an Bord, woraufhin die Weiterfahrt des Schiffes vorerst gestoppt wurde. Der Frachter soll auf dem Weg von St. Petersburg in die syrische Hafenstadt Latakia gewesen sein. Empfänger der Ladung sollte offenbar Syriens Verteidigungsministerium sein. Das Schiff habe die Erlaubnis zur Weiterfahrt bekommen, nachdem zugesichert worden sei, dass es nicht nach Syrien fahren werde, sagte ein zyprischer Regierungssprecher. AFP/rtr

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