Politik : Journalist: Becker schoss auf Buback

Uwe Soukup

Hamburg - Der Ex-„Bild“-Chefreporter Nils von der Heyde will seit dem Mord an Siegfried Buback im April 1977 vom Hörensagen gewusst haben, wer den damaligen Generalbundesanwalt erschossen hat. Der Reporter hielt sich nach dem Anschlag, bei dem auch zwei Begleiter Bubacks ermordet worden waren, in Teheran auf, um den Schah zu interviewen, wie er am Montagabend vor Journalisten sagte. Von dort will er den mit ihm befreundeten damaligen Abteilungsleiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Christian Lochte, am Telefon gefragt haben: „Stichwort Buback, wer war es?“ Lochte habe gesagt: „Geballert hat die Sola.“ Dies war der beiden bekannte Deckname Verena Beckers. Dass aber nach anderen Tätern gefahndet werde, soll Lochte damit begründet haben, dass da eine „Intrige laufe“ oder Gerhard Boeden, damals Leiter der BKA-Abteilung Terrorismus, „es vermarmelt“ habe. Wenige Tage später habe sich Lochte erschüttert darüber gezeigt; er sei davon ausgegangen, dass Richard Maier als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Becker „im Griff“ habe. Gefragt, ob das bedeute, dass die Terroristin für den Verfassungsschutz arbeitete, bejahte Lochte: „Mindestens seit einem Jahr.“ Dass gegen sie nicht ermittelt wurde, soll er verärgert kommentiert haben: „Was nicht sein darf, auch nicht sein kann.“ Lochte ist 1991 gestorben. Zwischen ihm und Heyde war vereinbart, privat besprochene Themen nicht zu veröffentlichen. Nach 34 Jahren setzt sich der Journalist darüber hinweg, da Becker sich jetzt für ihre mögliche Tatbeteiligung verantworten muss. Hans Josef Horchem, von 1969 bis 1981 Hamburger Verfassungsschutzchef, habe ihm die Aussagen später bestätigt. Uwe Soukup

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