Journalistin erstattet Anzeige : Strauss-Kahn droht Vergewaltigungsverfahren in Paris

Strauss-Kahn droht neues Ungemach: eine Klage wegen versuchter Vergewaltigung in der Heimat. Die Affäre könnte auch Auswirkungen auf Präsidentschaftskandidat Hollande haben. Er räumte ein, davon gewusst zu haben.

Nafissatou Diallo sieht zufrieden aus. Gut anderthalb Jahre nach der spektakulären Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in New York ist der Fall um eine angebliche Vergewaltigung abgeschlossen. Unter welchen Bedingungen sich Diallo und Strauss-Kahn aber geeinigt haben, ist unbekannt. Natürlich wird heftig spekuliert.Weitere Bilder anzeigen
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10.12.2012 22:01Nafissatou Diallo sieht zufrieden aus. Gut anderthalb Jahre nach der spektakulären Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in New...

Der Vergewaltigungsvorwurf eines afroamerikanischen Zimmermädchens scheint zu bröckeln, doch in der Heimat kocht eine alte Geschichte wieder hoch: Dem ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn droht ein Verfahren wegen versuchter Vergewaltigung einer jungen Schriftstellerin vor acht Jahren. Die heute 32 Jahre alte Tristan Banon habe entsprechende Klage eingereicht, teilte ihr Anwalt der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge am Dienstag mit.

Strauss-Kahns Anwälte haben für diesen Fall bereits eine Verleumdungsklage angekündigt. Die Staatsanwaltschaft entscheidet nun, ob sie Ermittlungen aufnimmt. Im Fall einer Verurteilung drohten Strauss-Kahn 15 Jahre Haft.

Der Fall ist seit mehreren Jahren in Frankreich bekannt und wurde in Büchern und einer Fernsehsendung aufgegriffen. Die junge Frau hatte zunächst auf eine Klage verzichtet. Viele hätten ihr damals abgeraten, sich bei einem so mächtigen Mann auf einen Prozess einzulassen, in dem Aussage gegen Aussage stehe, sagte sie in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift „L'Express“.

Auch der damalige Parteichef und heutige Präsidentschaftskandidat François Hollande sei auf dem Laufenden gewesen, betont Banon. Er sei deswegen mehrfach auf sie zugekommen und habe ihr indirekt sogar geraten, Klage einzureichen. Hollande räumte ein, dass er von den Vorfällen wusste, berichtete AFP. Er bestritt aber, dass er irgendwelche Ratschläge gegeben habe. Banon war damals mit Strauss-Kahns Tochter Camille befreundet, sie ist zudem das Patenkind von Strauss-Kahns zweiter Ehefrau.

Nach der Schilderung der jungen Frau war es bei einem Interview-Termin mit Strauss-Kahn im Februar 2003 zu sexuellen Übergriffen gekommen. Das Treffen habe in einer Privatwohnung stattgefunden. Er sei ihr an die Wäsche gegangen, sie habe sich am Ende mit Fußtritten gewehrt, berichtet sie. Nach französischem Recht verjährt ein Vergewaltigungsversuch erst nach zehn Jahren, sexuelle Belästigung bereits nach drei Jahren.

Banon rechnet damit, dass Strauss-Kahns Umgebung nun Druck ausüben wird. „Sie werden versuchen, mich klein zu bekommen, weil ich derzeit wohl der größte Dorn im Fuß für ihn bin“, meinte sie. Nach Einschätzung einer französischen Juristin dürfte es eineinhalb Jahre dauern, bis es möglicherweise zu einem Prozess gegen Strauss-Kahn kommt. Der Fall Banon könnte seine Aussichten auf eine Präsidentschaftskandidatur erheblich gefährden.

US-amerikanische Medien berichten indessen, dass die Anklage des früheren IWF-Chefs Strauss-Kahn wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen ein Zimmermädchen in New York wohl bald ganz fallengelassen wird. Die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens sei zu gering, sagte ein Ermittler der „New York Post“ am Dienstag. (dpa/AFP)

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