Juden-Türken-Vergleich : Faruk Sen geht in die Türkei

Seit Faruk Sen mit seinen umstrittenen Äußerungen zu den Türken als den neuen Juden in Europa für viele eine rote Linie überschritten hatte, gab es hitzige Debatten und Streit. Jetzt wird der Konflikt auf salomonische Weise entschärft.

Jürgen Zurheide

DüsseldorfMit einem Male reden alle Beteiligten wieder freundlich übereinander. Fritz Schaumann lobt Faruk Sen, und der Türkeiforscher freut sich über die wunderbaren Perspektiven in seiner alten Heimat. Dabei waren Schaumann und Sen in den zurückliegenden Wochen so sehr aneinander geraten, dass ihre langjährige Freundschaft erheblich gelitten hat; die Zitate der beiden übereinander spiegelten das wider. Den Streit aufgelöst hat am Ende ein Dritter: Armin Laschet, der Düsseldorfer Integrationsminister, hat den Vorsitzenden des Kuratoriums und den umstrittenen Chef des Essener Zentrums für Türkeistudien wieder an einen Tisch gezwungen und den Konflikt beigelegt, der schon vor dem Arbeitsgericht gelandet war. Laschet hat eine salomonische Lösung durchgesetzt: Demnach wird Sen seinen Posten an der Spitze des renommierten Essener Zentrums zum Jahresende offiziell aufgeben, sich in den Monaten bis zum 31. Dezember aber ausschließlich um den Aufbau einer deutschsprachigen Universität in Izmir kümmern.

Damit wird ein Konflikt entschärft, der inzwischen alle Beteiligten zu beschädigen drohte. Vor allem die Mitarbeiter des Essener Zentrums für Türkeistudien atmen auf. „Das ist eine gute Entscheidung“, kommentiert Andreas Goldberg, „das wird sowohl der Lebensleistung von Faruk Sen als auch dem Institut gerecht.“ Der Geschäftsführer in Essen war in den letzten Wochen in erhebliche Gewissenskonflikte gebracht worden, weil er sich auf den einen Seite seinem Ziehvater Sen, aber auch den mehr als 20 Mitarbeitern des Hauses verpflichtet fühlte. Seit Sen mit seinen umstrittenen Äußerungen zu den Türken als den neuen Juden in Europa für viele eine rote Linie überschritten hatte und von Schaumann fristlos gekündigt worden war, musste sich Goldberg für eine Seite entscheiden und hat das Fortbestehen des Institutes gewählt.

Für die Verteidigung hatte Faruk Sen selbst gesorgt. Den missglückten Vergleich von Juden und Türken hat er durch eine Entschuldigung relativiert und darauf hingewiesen, dass sich die offiziellen Repräsentanten der Juden damit abgefunden haben. „Frau Knobloch hat das akzeptiert“, wiederholte er ständig und pochte darauf, dass er in den 20 Jahren weder abgemahnt noch sonst gemaßregelt worden sei. Jürgen Zurheide

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