Politik : Juden und Muslime kämpfen gemeinsam gegen Diskriminierung

European Jewish Congress plant gemeinsame Aktionen mit Muslimen gegen Antisemitismus und Islamophobie

Claudia Keller

Berlin - Es ist eine kleine Sensation im Verhältnis von Juden und Muslimen: Zum ersten Mal wollen jüdische Organisationen in Europa gemeinsam mit muslimischen Partnern Antisemitismus und Islamophobie bekämpfen. Das kündigte Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland am Donnerstag in Berlin an.

Der European Jewish Congress (EJC) in Paris hat beschlossen, ein europaweites Forschungszentrum einzurichten, das Daten über Antisemitismus und Islamophobie sammeln, analysieren und Strategien zu ihrer Bekämpfung erarbeiten soll, sagte Kramer. Der EJC ist der Zusammenschluss der politischen Vertretungen der Juden in den einzelnen europäischen Ländern und die wichtigste jüdische Lobby-Organisation bei der Europäischen Union. Die Entscheidung, mit muslimischen Partnern zusammenzuarbeiten und nicht nur Antisemitismus, sondern auch die Diskriminierung von Muslimen zu bekämpfen, sei stark umstritten gewesen, betonte Kramer. Der Zentralrat der Juden in Deutschland habe sich für das Vorhaben stark gemacht. Wo der Sitz des geplanten Forschungszentrums sein soll, ist noch unklar, ebenso, mit welchen muslimischen Organisationen man zusammenarbeiten wird.

Generalsekretär Kramer sprach über das Vorhaben bei einem Empfang des American Jewish Committee (AJC), das seinen 100. Geburtstag in Berlin feierte. Hochrangige Mitglieder des Komitees hatten zuvor Sorge über das Verhältnis zu den Muslimen geäußert. Deutschland muss erkennen, dass die Integration der Muslime das zentrale Zukunftsthema ist, sagte Vorstandsmitglied Dottie Bennett. „Denn die Muslime werden uns nur dann akzeptieren, wenn auch wir sie akzeptieren.“

40 Jahre lang habe man nichts dagegen unternommen, dass Türken eine Unterschicht bilden, jetzt schlage es als Problem zurück. Deutschland müsse auch mehr tun, um muslimische Schüler über den Holocaust aufzuklären, etwa indem muslimische Besuchergruppen verstärkt zum Holocaust-Mahnmal nach Berlin eingeladen werden.

Bei einer Diskussion mit Politikern von CDU, SPD und Grünen forderten AJC- Mitglieder, dass Deutschland und die EU mehr Druck auf Iran ausüben müsse. „Wer zur Vernichtung Israels aufruft, dem müssen klar die Grenzen aufgezeigt werden“, sagte Denise Schreiber aus New York. Andere Mitglieder fragten sich, warum in Europa zwar viel über die dänischen Karikaturen diskutiert werde, nicht aber über die antisemitischen Karikaturen, die jeden Tag in palästinensischen und anderen arabischen Zeitungen erscheinen würden.

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