Juden und Palästinenser : Krawall auf dem Tempelberg

In Jerusalem haben Palästinenser Touristen mit Steinen angegriffen. Auslöser war wohl ein Gerücht: Orthodoxe Juden hätten die Al-Aksa-Moschee betreten wollen.

JerusalemDie israelische Polizei hat sich auf dem Tempelberg in Jerusalem Auseinandersetzungen mit protestierenden Palästinensern geliefert. Die Zusammenstöße auf dem von Juden wie Muslimen als heilig betrachteten Gelände entzündeten sich, als Palästinenser Steine auf christliche und jüdische Touristen warfen. Anschließend weitete sich die Gewalt auf die angrenzenden Gassen der Altstadt aus. Palästinensern zufolge hatten Gerüchte die Runde gemacht, orthodoxe Juden wollten das Areal rund um die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg betreten.

Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, um die Gewalttäter zu stoppen. Nach israelischen Angaben wurden vier Polizisten verletzt und sieben Palästinenser festgenommen. Nach palästinensischen Angaben erlitten zudem dreißig Demonstranten Verletzungen. Etwa 1000 Touristen waren in dem historischen Zentrum, als die Gewalt ausbrach.

Die israelische Polizei ließ mitteilen, sie habe das Gelände betreten, weil etwa 20 Palästinenser Steine geworfen hätten. Die Angreifer zogen sich demnach in die Moschee zurück, die die Polizei nicht betritt.

Die religiösen Spannungen hatten zugenommen, seit Israel die Renovierung jüdischer Stätten im besetzten Westjordanland ankündigte. Deswegen gab es zuletzt auch in Hebron an mehreren Tagen Zusammenstöße. Bei Bethlehem wurden Augenzeugen zufolge vier Palästinenser bei einer Sicherheitskontrolle in der Nähe einer Stätte beschossen.

Vor zehn Jahren war nach einer Auseinandersetzung auf dem Tempelberg der zweite Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung ausgebrochen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und König Abdullah II. von Jordanien forderten die Weltgemeinschaft nach dem jüngsten Vorfall auf dem Tempelberg zum sofortigen Eingreifen auf. Die muslimischen Heiligtümer in Ostjerusalem seien durch das Vorgehen der israelischen Sicherheitsbehörden gefährdet, hieß es nach einem Treffen in der jordanischen Hauptstadt Amman. König Abdullah II. warf Israel vor, die Identität Jerusalems ändern zu wollen. Die "gefährlichen Provokationen" gefährdeten alle Bemühungen um einen Frieden in der Region. Abbas warnte erneut vor einem Religionskrieg.

Der Mufti von Jerusalem, Mohammad Hussein, warnte Israel vor den Folgen eines "Sturms extremistischer Gruppen". Nach Angaben des von den Palästinensern ernannten Gouverneurs für Jerusalem, Adnan al-Husseini, hatten Jugendliche die Nacht an der Al-Aksa-Moschee verbracht, um Eindringlinge abzupassen.

Die Moschee liegt mit dem Felsendom auf dem Tempelberg, der an einer Seite von der Klagemauer begrenzt wird. Wie die Moschee für den Islam gehört die Klagemauer zu den wichtigsten religiösen Stätten des Judentums.

Ein hochrangiger Berater von Palästinenser-Präsident Abbas warf Israel vor, die Spannungen zu schüren. Damit wolle die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die US-Pläne für eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen untergraben. Bislang hat die Regierung von US-Präsident Barack Obama keinen Erfolg damit gehabt, die Gespräche wieder zu beleben.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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