Politik : Jüdisches Museum: Weltgeltung

Heute wird die ständige Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin eröffnet, und von Dienstag an steht es allen offen. Auch an anderen Orten gibt es Museen, die uns mit jüdischer Religion und jüdischer Kultur in Vergangenheit und Gegenwart vertraut machen.

Das neue Museum hat sich ein besonderes Ziel gesetzt: Hier sollen zweitausend Jahre deutsch-jüdischer Beziehungen in all ihren Aspekten dargestellt werden. Das finde ich gut und wichtig.

Juden haben zu allen Zeiten in Deutschland und in Europa nicht nur in eigenen Gemeinschaften gelebt, sondern auch den Austausch mit ihren christlichen Nachbarn gepflegt. Die Beziehungen waren oft von Konflikten geprägt. Jahrhundertelang wurden Juden ausgegrenzt, diskriminiert und bis hin zum Mord verfolgt. Es gab aber auch Zeiten, in denen sich jüdische und deutsche Kultur ausgetauscht und wechselseitig beeinflusst haben. Daraus ist manches entstanden, das bis heute kulturell Weltgeltung hat.

Über die zweitausendjährige Geschichte deutsch-jüdischer Beziehungen wissen die meisten von uns heute zu wenig. Das liegt gewiss auch daran, dass wir uns in Deutschland zu lange schwer damit getan haben, die Verantwortung für den Massenmord an den europäischen Juden anzunehmen.

Wenn wir das tun, und wenn wir die Erinnerung an diese Katastrophe wach halten, dann bekommen wir auch den Blick dafür frei, dass der Holocaust nicht die Summe der deutsch-jüdischen Geschichte ist. Dann wird uns noch stärker bewusst werden, wie schwer der Verlust wiegt, den wir Deutschen uns durch den Holocaust auch selber zugefügt haben. Dafür leistet das neue Museum einen ganz wichtigen Beitrag.

Ich danke den vielen Leihgeberinnen und Leihgebern aus aller Welt, die dem Museum viele, oft ganz persönliche Erinnerungsstücke überlassen haben. Das Museum will ein Lehr- und Lernort sein. Ich wünsche mir, dass es zu einem Ort der Begegnung wird für Jung und Alt, für Juden und Nichtjuden, für Menschen unterschiedlicher Herkunft und aus unterschiedlichen Kulturen.

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