Politik : Jürgen Möllemann: Möllemanns Breitseiten

Robert Birnbaum

Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Jürgen Möllemann legt sich mal wieder mit der FDP-Führung an. Zwei Tage vor einer "Strategiekonferenz", bei der FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle in Mainz die Vorüberlegungen zum Wahlkampf 2002 vortragen will, legte Möllemann am Donnerstag dar, wie er in der FDP sein eigenes Wahlkampf-Konzept "Projekt 18" durchsetzen will. Auch sonst bot Möllemann in der privaten Strategiekonferenz vor Journalisten in Berlin das volle Programm, dessentwegen ihm die Parteispitze immer wieder gram ist: Er drängte den Parteichef Wolfgang Gerhardt dazu, sich mit der Fraktionsführung zu begnügen, forderte zugleich Trennung von Partei- und Fraktionsvorsitz, legte Westerwelle nahe, sich um den Parteichef-Posten zu bewerben und forderte den eigenen FDP-Kanzlerkandidaten.

Anlass für die Breitseite sind einerseits die Wahlen zum Fraktionsvorstand, in denen sich Gerhardt in zwei Wochen erneut um den Vorsitz bewirbt, andererseits die "Strategiekonferenz" in Mainz. Möllemann tat dieses Treffen ab als einfache Kreisvorsitzenden-Versammlung. In der FDP-Zentrale sieht man das anders: Gerhardt, der gastgebende Parteivize Rainer Brüderle und Westerwelle wollen kurz referieren, wie sich die FDP auf die Bundestagswahl vorbereitet, und dann den Basis-Funktionären Zeit zur Diskussion geben.

Möllemann wird dort nicht für sein 18-Prozent-Ziel werben: Er fährt gar nicht erst hin. So wird Westerwelle den Beratungsstand der offiziellen Wahlkampfkommission vortragen. Der gehört auch Möllemann an; aber seinem "Projekt 18" steht ein Konkurrenzkonzept des Generalsekretärs gegenüber. Möllemann kündigte jetzt ein Verfahren an, mit dem er, wenn er Erfolg hat, die Kommission schlicht kaltstellen würde: Er will beim FDP-Parteitag im nächsten Frühjahr das "Projekt 18" zur Abstimmung stellen. Die NRW-FDP, die deutlich mehr als ein Viertel der Delegierten stellt, werde überdies Nominierung eines Kanzlerkandidaten und Verzicht auf eine Koalitionsaussage beantragen.

Dass sich übrigens ein Quartett der Landes-FDP-Chefs Möllemann, Kubicki (Schleswig-Holstein), Brüderle (Rheinland-Pfalz) und Döring (Baden-Württemberg) zum Sturz Gerhardts verabredet habe, bestreitet Möllemann. Man habe sich lediglich getroffen und gut gegessen - und sei sich einig gewesen, dass die FDP ein "starkes Team" für den Wahlkampf brauche. Wie das aussieht, soll sich beim nächsten Parteitag entscheiden: Der sei, sagt Möllemann, "das Schlüsseldatum".

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