JUGENDÄMTER : Mehr Jungen und Mädchen in Obhut

Verwahrlost, missbraucht oder einfach nur von den Eltern vergessen: Die deutschen Jugendämter haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Jungen und Mädchen in ihre Aufsicht genommen als zuvor. Im Jahr 2010 erhielten rund 36 300 Kinder und Jugendliche den Schutz der Behörden, etwa 2600 oder acht Prozent mehr als 2009 – und sogar 42 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Bei einer sogenannten Inobhutnahme schützt ein Jugendamt kurzfristig Kinder und Jugendliche und bringt sie zum Beispiel in einem Heim oder anderen Familien unter. Deutlich zeichnen sich zwei Trends ab: Erstens suchte im vergangenen Jahr jedes vierte Kind freiwillig die Hilfe der Experten. Zweitens nahm die Zahl der ausländischen Jungen und Mädchen deutlich zu, die in ihrer Heimat ins Flugzeug gesetzt und nach Deutschland geschickt wurden. Vergangenes Jahr waren es 2800 Jugendliche – „ein Anstieg gegenüber 2008 um 157 Prozent“, teilte das Bundesamt mit. Von den Kindern und Jugendlichen, um die sich das Jugendamt im vergangenen Jahr neu kümmerte, hatte der größte Teil (27 100) zuvor bei den Eltern oder zumindest bei einem Elternteil gelebt. Fast jedes zweite Sorgenkind (15 300) kehrte nach einiger Zeit zurück zu seiner Familie. Allerdings mussten auch 4600 Jungen und Mädchen in einem Krankenhaus oder sogar in der Psychiatrie behandelt werden. dpa

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