Politik : Jugendliche umjubeln den Papst

Begeisterter Empfang für Benedikt XVI. beim Weltjugendtag in Köln / Köhler: Ein Freudentag für uns alle

Martin Gehlen[Köln]

Köln - Papst Benedikt XVI. ist auf der ersten Auslandsreise von Hunderttausenden Jugendlichen in seiner deutschen Heimat begeistert empfangen worden. Am Nachmittag rief er während einer Ansprache von einem Rheinschiff aus die jungen Pilger aus über 190 Ländern in fünf Sprachen auf, sich auf Christus einzulassen. Die Jugend müsse entscheiden, ob sie den Weg gehen wolle, „zu dem die Leidenschaften anregen“ oder den Weg des Gewissens. In seiner mehrfach von Beifall unterbrochenen Ansprache betonte Benedikt XVI., junge Menschen heute suchten nach den richtigen Kriterien für ein gelingendes Leben. Der Papst begrüßte bei strahlendem Sonnenschein besonders Jugendliche, „die nicht getauft oder in der Kirche nicht zuhause sind“. Sein Vorgänger Johannes Paul II. habe gerade sie zu den Weltjugendtagen eingeladen. „Öffnet Eure Herzen für Gott. Lasst Euch von Christus überraschen“, rief er den 170000 jungen Zuhörern am Ufer zu.

Am Vormittag hatten Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das katholische Oberhaupt auf dem Köln-Bonner Flughafen mit militärischen Ehren empfangen. In seiner Begrüßungsansprache nannte Köhler den Weltjugendtag „einen wunderbaren Anlass“ für die erste Auslandsreise des katholischen Oberhauptes seit seiner Wahl vor vier Monaten. „Das ist ein Freudentag für uns alle“, sagte Köhler. Es bewege die Deutschen ganz besonders, dass einer von ihnen Papst geworden sei. Nach dem Polen Johannes Paul II., dessen Land im Zweiten Weltkrieg als erstes von Deutschland überfallen worden sei, sei nun ein Deutscher aus der so genannten Flakhelfergeneration in dieses Amt gewählt worden. Das sei weltweit als Zeichen der Versöhnung begriffen worden.

Benedikt XVI. sagte, er sei aufrichtig dankbar für den lieben Empfang und lobte die Tradition der Weltoffenheit und Solidarität der Deutschen insbesondere zu Gunsten der Dritten Welt. Er sehe es als göttliche Fügung an, dass ihn seine erste Reise ausgerechnet in seine Heimat führe, sagte der Papst. Die Begegnung so vieler Jugendlicher mit dem Nachfolger Petri sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche. „Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben“, erklärte er.

Nach seiner Rheinfahrt besuchte der Papst den Kölner Dom, wo in einem Schrein die Gebeine der Heiligen Drei Könige aufbewahrt werden. Der Schrein ist Station des Pilgerwegs für die Teilnehmer des Weltjugendtages. Danach fuhr er unter dem Jubel der jungen Pilger etwa eine Stunde lang im Papamobil durch die Kölner Innenstadt zum Erzbischöflichen Haus, der Residenz von Kardinal Joachim Meisner. Dort wird er bis Sonntag wohnen. Während der Rheinfahrt des Pontifex waren sämtliche Rheinbrücken in der Domstadt für den Verkehr gesperrt, der Schiffsverkehr auf dem Fluss ruhte. Über 12000 Polizisten und Rettungskräfte sorgten für die Sicherheit des Papstes und der Teilnehmer des Weltjugendtages.

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