Politik : Jugendliche wollen keinen Regierungswechsel

Beim Projekt „U 18“ wählten junge Leute unter 18 Jahren: Rot-Grün hat mit über 50 Prozent die Mehrheit

Sabine Beikler

Berlin - CDU und FDP findet Lara „unsympathisch“. Die seien für Studiengebühren, fürs Klonen und für einheitliche Steuern. „25 Prozent! Das ist voll ungerecht für die, die jetzt nur zwölf zahlen müssen.“ SPD und Grüne seien ihr da „am sympathischsten“. Und die Linkspartei fände sie auch nicht so schlecht. „Aber meine Eltern sagen, dass die viel zu viele Illusionen haben.“ So hat die 15-jährige Berlinerin am Freitag SPD mit ihrer Erst- und Grün mit der Zweitstimme gewählt.

Lara gehört zu bundesweit 44 922 jungen Menschen unter 18 Jahren, die im Rahmen des Projektes „U 18“ ihre Stimmen abgegeben haben: in Jugendklubs, Verwaltungen oder Schulen. Das Ergebnis ist deutlich: Die Jugend will weiterhin Rot-Grün. Die SPD kommt bundesweit auf gerundete 38,4 Prozent, CDU/CSU auf 16,4 Prozent, die Grünen auf 14,1 Prozent, die Linke auf 11,7 Prozent. Die NPD dagegen überholt mit 6,8 Prozent die FDP, die mit 5,9 Prozent abschneidet. Den höchsten Stimmenanteil erhielt die NPD überraschenderweise mit 14,2 Prozent im Saarland: Allerdings können die dort 556 abgegebenen gültigen Stimmen nicht als repräsentativ gelten.

Das Projekt „U 18“ ist 1996 von Berliner Jugendklubs ins Leben gerufen worden. Zunächst konnten nur Berliner Jugendliche vor Abgeordnetenhauswahlen „mitwählen“. Das erste Mal bundesweit stimmten Jugendliche vor drei Jahren ab. Jetzt kam die SPD in 15 Bundesländern auf das beste Ergebnis. Mit einer Ausnahme: Thüringen. Dort kam die Linkspartei auf 100 Prozent – bei zwei abgegebenen und gültigen Stimmen.

Lara findet das Wahlergebnis „voll gut“ und würde sich freuen, wenn „die Erwachsenen auch so wählen“. Laut Politbarometer käme wie berichtet die CDU/CSU bei der Sonntagsfrage auf 41 Prozent, die SPD auf 34 Prozent, die Linkspartei auf acht Prozent und Grüne und FDP auf je sieben Prozent.

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