Politik : Jugoslawien: Ausschreitungen in Srebrenica befürchtet

Am fünften Jahrestag des Massakers in Srebrenica hat das Büro des internationalen Bosnien-Beauftragten Wolfgang Petritsch vor Ausschreitungen gewarnt. Als "unverantwortlich" bezeichnete eine Sprecherin in Sarajevo den Plan eines Organisationskomitees, 5000 vertriebene Moslems in das Dorf Potocari zu fahren. Dort hatten die UN-Soldaten ihr Lager, die 1995 der Ermordung tausender Moslems durch bosnisch-serbische Truppen hilflos zusahen.

Auch der bosnische Präsident Alija Izetbegovic will an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Nato-Soldaten sollen am Dienstag Zusammenstöße zwischen den moslemischen Besuchern und der jetzt dort lebenden serbischen Bevölkerung verhindern.

Serbische Veteranen warnten die Moslems vor der Veranstaltung und veröffentlichten eine Erklärung, in der es heißt: "Jeder weiß, dass in Potocari am 11. Juli keine Grausamkeiten begangen wurden."

Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisierte, dass die aus Srebrenica vertriebenen Menschen noch nicht in die ehemalige UN-Schutzzone in Bosnien-Herzegowina zurückkehren konnten. Die internationalen SFOR-Truppen müssten die Stadt besetzen und die Rückkehr der früheren Einwohner überwachen, verlangte der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, Tilman Zülch, am Montag in Göttingen. Er forderte eine multi-ethnische Polizei für Srebrenica.

Nach Srebrenica sind bisher nur drei moslemische Flüchtlinge zurückgekehrt. Am 11. Juli 1995 waren serbische Truppen in die moslemische Enklave einmarschiert. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist bis heute ungeklärt.

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