Politik : Jugoslawien: Belgrad wird bald Mitglied im IWF

tgr

Jugoslawien soll schon bald wieder in den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden und Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) werden. Die Aufnahme wird noch bis Jahresende erwartet, so dass schon ab 2001 mit ersten Krediten zu rechnen ist. Das wurde am Dienstag in Paris zum Abschluss eines Gebertreffens mit Vertretern der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7), Russlands, der Niederlanden und der internationalen Finanzinstitutionen bekannt. Das Geld solle vor allem der Finanzierung mittelständischer Unternehmen und Infrastrukturprojekten zufließen.

Neben der bisher von der EU beschlossenen Dringlichkeitshilfe von 200 Millionen Euro kann Jugoslawien auch mit 200 Millionen Dollar Soforthilfe der USA rechnen, die aber noch vom Kongress in Washington gebilligt werden müssen. Deutschland gibt nach Angaben seines Delegationsleiters bei der Pariser Konferenz, Staatssekretär Caio Koch-Weser, bilateral eine Soforthilfe von 50 Millionen Mark für humanitäre Zwecke. Der internationale Balkanbeauftragte Bodo Hombach betonte: "Die schnelle humanitäre Hilfe ist diesmal so schnell wie nie zuvor: sie hat schon begonnen."

Deutschland hat die Soforthilfe für Jugoslawien bereits gestartet. Vertreter der deutschen und der serbischen Regierung unterzeichneten am Dienstag in Belgrad einen Vertrag über die Lieferung von Energie. 35 Millionen Mark sind für den Kauf von Strom bis zum 1. Januar 2001 bestimmt, der 40 Prozent des fehlenden Bedarfs in Serbien decken soll. Daneben sollen Medikamentenlieferungen oder Ausstattungen für Strom- und Heizkraftwerke finanziert werden.

Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica dankte für die bereits eingetroffenen und angekündigtem Hilfen. Die Jugoslawen wollten aber nicht "ewig" auf Hilfen warten, sondern arbeiten. Mit ausländischen Investitionen und Krediten und der Hilfe von "Freunden" werde sich die jugoslawische Gesellschaft erholen, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Tanjug.

Vertreibung im Kosovo hält an

Die Vertreibung von Minderheiten aus dem Kosovo hält unterdessen an, obwohl die serbische Provinz bereits seit 16 Monaten unter internationaler Verwaltung steht. "Immer noch geschehen Morde, werden Häuser angezündet", sagte Hamit Maksutsoji, Sprecher der Roma von Prizren und Mitglied der Kosovo-Übergangsregierung, am Dienstag vor der Presse in Düsseldorf. Maksutsoji machte dafür ehemalige UCK-Angehörige verantwortlich. Erst am 9. November waren vier Aschkali (albanisch assimilierte Zigeuner) in einem Dorf in der Nähe von Pristina getötet worden. Gegenwärtig leben etwa 20 000 Roma im Kosovo, mehr als 100 000 seien seit dem Ende der Kämpfe zwischen Nato und Jugoslawien im Juli 1999 vertrieben worden. Rund 15 000 Häuser von Roma seien zerstört und geplündert worden. Diese Zahlen nannte Kurt Holl vom Kölner Rom e.V., der sich für eine Verständigung zwischen Zigeuner-Flüchtlingen und Nicht-Roma einsetzt. Cedo Prlincevic, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Pristina, sagte, dass deren 100 Mitglieder ebenfalls vertrieben wurden.

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