Politik : Jugoslawien: Einmal geteilt, immer geteilt?

Stephan Israel

In der geteilten Stadt Mitrovica haben am Donnerstag erneut Hunderte albanische Demonstranten versucht, die Absperrungen der Kosovo-Friedenstruppen (Kfor) zu durchbrechen. Am Mittwoch waren bei Zusammenstößen mehr als 20 Kfor-Soldaten, darunter auch vier Deutsche, verletzt worden.

Die geteilte Stadt Mitrovica kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag versuchten erneut mehrere hundert vorwiegend jugendliche Albaner in den serbisch kontrollierten Nordteil der Stadt vorzudringen. Die Kfor-Soldaten setzten Tränengas und Knallkörper ein, um die Demonstranten auf Distanz zu halten. Kosovska Mitrovica ist seit dem ersten Tag des Einmarsches der Nato-Truppe vor eineinhalb Jahren Brennpunkt. Manchmal kehrt für einige Wochen oder Monate scheinbarer Friede ein. Doch dann reicht ein Funke, um die Explosion und gewalttätige Demonstrationen auszulösen.


Grafik: Das Krisengebiet

Die seit Monaten schwersten Zusammenstöße hatten am vergangenen Montag ihren Anfang genommen: Serben und Albaner waren am Nordufer des Ibar, der Fluss teilt die Stadt, aneinander geraten. Es gibt dort ein letztes, ethnisch gemischtes Viertel, in dem Serben, Albaner und Moslems nebeneinander leben. Der Streit eskalierte, wobei offenbar auch Pistolen und Handgranaten zum Einsatz kamen. Am Ende lag ein 15jähriger Albaner tot in einer Blutlache.

Albanische Demonstranten versuchten darauf ein erstes Mal diese Woche, die Absperrungen der Kfor auf den Brücken über den Ibar zu durchbrechen und in den serbisch kontrollierten Nordteil vorzudringen.

Kfor-Kommandant Carlo Cabigiosu hatte nach dem tödlichen Streit die Führung der politische Führung der Serben von Mitrovica aufgefordert, sich zu entschuldigen. Am Mittwoch, nach der Bestattung des albanischen Jugendlichen, wuchs der Protestzug auf über tausend Demonstranten an. Beim Versuch, den Sturm der Albaner über die Brücke zu stoppen, erlitten 23 Kfor-Soldaten, darunter vier Deutsche, zumeist leichte Verletzungen. Die Demonstranten warfen Steine und Molotow-Cocktails, wobei auch Nato-Fahrzeuge in Brand gerieten.

Der Ibar und die zwei Brücken, einzige Verbindungspunkte in der geteilten Stadt, sind seit dem Einmarsch Schauplatz der Konfrontation. Die für den Sektor zuständigen haben die Teilung mit immer höheren Mauern aus Stacheldraht und Personenkontrollen zementiert.

Mitrovica war nicht immer eine geteilte Stadt. Die ehemalige Bergarbeiterstadt nahe der traditionsreichen Minen von Trepca war während des Krieges Schauplatz brutaler Vertreibungen. Serbische Paramilitärs gingen von Haus zu Haus und schickten Tausende Kosovo-Albaner auf einen langen Marsch Richtung Albanien. Häuser der Albaner und der Bazar wurden mit dem Bulldozer plattgemacht. Nach Kriegsende versammelte sich die serbische Bevölkerung von Mitrovica am Nordufer der Stadt, die direkten Anschluss an Serbien hat. Zum Teil wurden sie von den rückkehrenden Albanern aus dem Südteil vertrieben, andere brachten sich in Sicherheit, weil sie sich als Plünderer oder Brandstifter die Hände schmutzig gemacht.

Die Serben im Nordteil der Stadt wollen nicht mehr mit den Albanern zusammenleben und suchen den Anschluss an Serbien. Die Albaner im Süden von Mitrovica möchten in ihre Wohnungen im Nordteil zurück und fürchten vor allem, den Zugang auf das Bergbaukombinat von Trepca auf Dauer zu verlieren. Kfor und UN-Verwaltung haben in den vergangenen eineinhalb Monaten keine Annäherung unvereinbaren Positionen in Mitrovica Nord und Süd bewirken können.

Und auch an der Grenze zu Serbien lassen die Spannungen nicht nach. Dort haben sich rund 3000 albanische Rebellen, die sich nach den drei mehrheitlich albanisch besiedelten Gemeinden im südserbischen Tal "Befreiungsarmee für Presevo, Bujanovac und Medvedja" (UCPMB) nennen, zusammengeschlossen. Einige fordern offen den Anschluss der Gemeinden an ein künftig unabhängiges Kosovo. Ein moderaterer Flügel will nur Druck machen, damit Belgrad der albanischen Minderheit in Südserbien grundlegenden Menschenrechte gewährt. Jugoslawiens Innenminister Zivkovic hat angekündigt, dem schwelenden Konflikt bis im Frühjahr "ein Ende zu setzen".

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