Politik : Jugoslawien: Machtkampf in Belgrad

Die Anhänger des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic sind am Mittwoch auf Konfrontationskurs zur neuen Regierung gegangen. Wie der Belgrader Hörfunksenders B-92 unter Berufung auf einen Minister der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) berichtete, unterstellte der serbische Ministerpräsident und Milosevic-Verbündete Mirko Marjanovic die serbische Polizei seiner Kontrolle. Ein Vertreter der DOS, Cedomir Jovanovic, dementierte dies jedoch umgehend.

Unterdessen drohte das Oppositionsbündnis DOS mit neuen Massenprotesten, falls die Anhänger Milosevics ihre Blockadepolitik nicht aufgeben. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) stellte der neuen Führung unterdessen langfristige deutsche Unterstützung in Aussicht. Auch die Europäische Union (EU) kündigte an, "in den kommenden Wochen" eine erste Finanzhilfe überweisen zu wollen.

Der SPS-Politiker Branislav Ivkovic sagte im Radio, nach dem Rücktritt des serbischen Innenministers Vlajko Stojiljkovic am Montag habe Marjanovic das Ministerium übernommen, dem auch die Polizei untersteht. Gleichzeitig drohte die serbische Regierung mit Polizeiaktionen gegen "Gewalt und illegale Handlungen" des jugoslawischen Wahlbündnisses DOS, wie die amtliche Nachrichtenagentur Tanjug meldete.

Wenn die Anhänger Milosevics die Gespräche über Neuwahlen in Serbien weiter boykottieren, würden tausende Menschen spontan auf die Straße gehen, warnte Dragoljub Micunovic von der DOS. Zwei Milosevic-treue Parteien hatten die Gespräche über die für Dezember geplanten Neuwahlen am Dienstag unter Hinweis auf die "Gewalt und Gesetzlosigkeit" in Serbien abgebrochen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben