Politik : Jugoslawien: Milosevic fürchtet Besuch der UN-Chefanklägerin

Stephan Israel

Der gestürzte Autokrat Slobodan Milosevic sorgt sich vor dem bevorstehenden Besuch der Haager Chefanklägerin Carla Del Ponte verstärkt um sein persönliches Wohl. Beim Treffen mit Nachfolger Vojislav Kostunica bemühte Milosevic sich offenbar vor allem um neue Sicherheitsgarantien.

Der Besuch des gestürzten Autokraten beim demokratisch gewählten Nachfolger sorgt für Streit im Lager der neuen Mehrheit in Belgrad: Vojislav Kostunica hatte Slobodan Milosevic am Wochenende eine überraschende Audienz gewährt. Die erbosten Reaktionen aus den Reihen der demokratischen Kräfte lassen seither nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Der Platz von Milosevic sei im Gefängnis, empörte sich Zarko Korac, einer der künftigen Vizepremiers: Das Treffen mit Kostunica bedeute für den gestürzten Autokraten "eine Art von Rehabilitierung, ob das nun beabsichtigt ist oder nicht". Korac, einst zusammen mit Kostunica einer der Mitstreiter auf der Seite der Opposition, sprach von der ersten "Herausforderung für den demokratischen Prozess" in Serbien. Der designierte Regierungschef Zoran Djindjic hielt ebenfalls mit seiner Kritik nicht zurück: Er könne sich nicht vorstellen, was Kostunica mit dem Mann, der das Land zerstört habe, zu bereden habe.

Slobodan Milosevic hatte sich bei seinem Nachfolger selber eingeladen. Offiziell wollen das Staatsoberhaupt und der gestürzte Autokrat in der Rolle des Oppositionsführers über "die Lage im Land" diskutiert haben. Konkret ging es Sozialistenchef Milosevic eher um private Angelegenheiten: Der angeklagte Kriegsverbrecher fürchtet mit Blick auf den erstmaligen Besuch der Haager Chefanklägerin Carla Del Ponte nächste Woche um die persönliche Sicherheit: Sohn Marko hat sich seit dem Sturz des Vaters nicht aus dem Moskauer Exil nach Hause getraut. Ehefrau Mira Markovic folgte ihm am Freitag.

Kostunica meint, dass das jugoslawische Recht die Auslieferung von Staatsbürgern nicht zulässt. Doch sogar Jugoslawiens Justizminister sieht kein Hindernis für eine Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal. Empfangen wird Del Ponte von Kostunica nicht. Ihr Besuch sei nicht hochrangig genug, hieß es - schließlich sei sie nicht einmal Außenministerin.

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