Politik : Jugoslawien nach der Wahl: Al Gore: Bevölkerung hat sich hinter Opposition gestellt

Die USA haben der jugoslawischen Regierung bei den Präsidentenwahlen Wahlbetrug zu Gunsten von Präsident Slobodan Milosevic vorgeworfen. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte in der Nacht zum Dienstag, es habe massive Unregelmäßigkeiten und Berichte über Betrug gegeben. Dennoch sei der Oppositionskandidat Vojislav Kostunica offenbar auf dem Weg zu einem überzeugenden Sieg.

Boucher sagte, auch die zögerliche Stimmenauszählung nach der Wahl am Sonntag sei bedenklich und wecke Zweifel, ob dabei alles mit rechten Dingen zugehe. Am Montag hatte das Repräsentantenhaus für eine Finanzhilfe an die serbische Opposition in Millionenhöhe gestimmt.

US-Präsident Bill Clinton wurde an Bord seines Flugzeuges "Air Force One" von seinem Sicherheitsberater Sandy Berger über Teilergebnisse der Wahlen in Jugoslawien informiert. Die USA gingen Angaben einer Sprecherin des Weißen Hauses zufolge davon aus, dass die demokratische Opposition bei den Wahlen in Jugoslawien gesiegt habe. Das Weiße Haus wolle sich aber erst nach Bekanntgabe des Endergebnisses äußern.

Die USA seien beeindruckt von der hohen Wahlbeteiligung bei der Abstimmung in Jugoslawien am Sonntag. Die Serben hätten dadurch ihren Demokratie-Willen zum Ausdruck gebracht. Trotz zahlreicher Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung und Hinweisen auf Wahlbetrug, stehe fest, dass die Opposition gut abgeschnitten habe.

US-Vizepräsident Al Gore erklärte, trotz der Manipulationsversuche Milosevics und seiner Anhänger bei den Wahlen habe sich das jugoslawische Volk geschlossen hinter die demokratische Opposition gestellt. US-Verteidigungsminister William Cohen sagte, vorläufigen Wahlergebnissen zufolge wollten die Wähler Milosevic nicht mehr. Das US-Repräsentantenhaus stimmte am Montag für Finanzhilfe an die serbische Opposition in Millionenhöhe.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat am Montag die Hoffnung geäußert, dass aus den Wahlen in Jugoslawien eine demokratische Regierung hervorgeht, mit der ein Dialog möglich ist und die sich der internationalen Gemeinschaft anschließt.

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