Juli-Chef Lasse Becker hört auf : Keine Lust mehr auf Beleidigungen

Der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation kündigt seinen Rücktritt an, um Platz für eine neue Generation zu machen. Aber auch, weil er sich nicht länger beleidigen lassen will. Nun will er sich in seinem Heimatland Hessen in der FDP engagieren. Und dort gibt es recht spannende Entwicklungen.

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Juli-Chef Lasse Becker kündigt seinen Rücktritt an. Foto: dpa
Juli-Chef Lasse Becker kündigt seinen Rücktritt an.Foto: dpa

Die Neuaufstellung der FDP geht weiter. Auch bei der Jugendorganisation "Junge Liberale" (Julis) wird es eine neue Spitze geben. Lasse Becker, amtierender Juli-Chef, hat seinen Rücktritt angekündigt. Allerdings ist es weniger eine Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden der Mutter-Partei. Es sind - wie er in einer Erklärung mitgeteilt hat - drei Gründe, die ihn zum Rücktritt bewegen: Generationenwechsel, eine unbelastete Führung - aber auch "persönliche Gründe".

Becker spricht in seiner Erklärung auch von "Beleidigungen, Verletzungen und Unterstellungen", die jedem zusetzten. "Mir auch", wie er anfügt. Er verweist nicht auf konkrete Beleidigungen, spricht aber davon, dass es nicht gut sei, wenn Funktionsträgern misstraut werde. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er weiter: "Viel Kritik speist sich aus Urteilen, manche auch aus Vorurteilen, und ich war mit Sicherheit nicht immer gerade der kompromisssuchendste aller Julis. Viele Julis haben mir vorgeworfen, dass man mir meine Emotionen häufig nicht ansieht."

Mit seinem Rückzug wolle er auch einen Generationenwechsel einleiten. "Es war mir aber immer klar, dass ich als 30-Jähriger nicht mehr das Gesicht sein kann und sollte, das für die Julis wahrgenommen wird", erklärt er. In Zukunft wolle er sich in der FDP Hessen, seinem Landesverband engagieren, "aber gerne auch darüber hinaus", schreibt der FDP-Politiker.

Becker wurde erst im Frühjahr in seinem Amt bestätigt, wenn auch erst im zweiten Wahlgang. Er ist seit 2010 Bundesvorsitzender der Julis. In diesem Amt ist er stets kritisch mit der eigenen Partei umgegangen und hat im Nachgang der desaströsen Bundestagswahl die Zweitstimmenkampagne als "Bettelkampagne" kritisiert.

Nun will er sich also in seiner hessischen Heimat engagieren. Und das könnte durchaus spannend werden. Denn auch dort wird wie im Bund eine neue Regierung gesucht. Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün haben eine Mehrheit. Es gab bereits mehrere Sondierungsgespräche für eine große Koalition, aber auch für Schwarz-Grün und Rot-Grün-Rot. Rechnerisch wäre auch eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP möglich, nur haben die Liberalen dies vor der Wahl mit einem Parteitagsbeschluss ausgeschlossen.

Nun gibt es erste Anzeichen für eine Abkehr von diesem Beschluss. Auf Einladung der hessischen SPD will sich die FDP in Hessen nun mit den Sozialdemokraten treffen. Allerdings betont SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, dass es sich dabei nicht um ein "Sondierungsgespräch" handeln werde. Auch ein FDP-Sprecher betonte, dass es ein Gespräch über die politische Lage in Hessen sei. Die Liberalen sehen die Möglichkeit eines weiteren Treffens - dann mit den Grünen. Auch in der SPD gibt es Befürworter eines solchen Bündnisses - schließlich könnte Schäfer-Gümbel so Ministerpräsident werden, ohne eine riskante rot-grün-rote Koalition eingehen zu müssen.

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