Politik : Jung, verschwiegen und absolut loyal

Bush holt folgsame Polit-Talente in sein Team – wie den neuen Sprecher

Malte Lehming[Washington]

Wer ist der Neue? Die Neugier ist groß. Mitte Juli verlässt Ari Fleischer das Weiße Haus, dann tritt Scott McClellan an. Er wird der neue Sprecher der US-Regierung. Ganz unbekannt ist der 35-Jährige nicht. Er war bislang Stellvertreter von Fleischer. Als die Raumfähre „Columbia“ abstürzte, stand er für ein paar Tage im Rampenlicht, weil Fleischer verreist war. Ansonsten weiß man von McClellan, dass er aus Texas stammt, an der Universität von Texas studiert hat und dort auch die Wahlen für seine Mutter, eine staatliche Rechnungsprüferin, organisiert hat. Eine politische Familie. Sein älterer Bruder arbeitet in der nationalen Gesundheitsbehörde. Außerdem ist McClellan einer der besten Tennisspieler im Weißen Haus. Den neuen Job bekam er nach einem kurzen Plausch mit George W. Bush an Bord der „Air Force One“. Eine der engsten Vertrauten des US-Präsidenten, Karen Hughes, gilt als Fürsprecherin von McClellan.

Man weiß also nicht nichts, aber auch nicht viel über den Neuen. Kein Zufall. Vor dem Präsidentschaftswahlkampf organisiert Bush seinen innersten Zirkel neu. Er umgibt sich mit jungen, loyalen Kräften, die verschwiegen sind, viel arbeiten können und nie widersprechen. In Washington wird dieser Kreis spöttisch die „Echo-Kammer" genannt. Viele von ihnen haben Verbindungen nach Texas. „Bush fördert diese jungen Leute und bietet ihnen Posten an, die früher nur von äußerst erfahrenen Menschen übernommen wurden", sagt Paul Light, der an der Universität von New York Politik unterrichtet.

Dan Bartlett, auch er ein Texaner, ist erst 31 Jahre alt. Er ist der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses. Dina Habib Powell ist noch jünger, 29 Jahre alt. Sie ist die Personalchefin. Matt Schlapp, 35 Jahre alt, ist der Wahlkampfmanager von Bush. Die Sprecherin der Wiederwahl-Kampagne heißt Nicolle Devenish, 31 Jahre alt. Verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit von Vizepräsident Dick Cheney ist Catherine J. Martin, 34 Jahre alt. Derartige Personalentscheidungen folgen offenbar einer Methode: Einige Schwergewichte – Bush, Cheney, Bürochef Andrew Card, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Chefberater Karl Rove – geben im Weißen Haus den Ton an und bestimmen, was getan und gesagt werden muss. Alle anderen setzen um und führen aus. Dass es sich dabei um eine Methode handelt, wird natürlich bestritten. Sämtliche Mitarbeiter von Bush seien stets „offen und ehrlich", sagt Fleischer. „Menschen, die kriechen und schleimen, gelangen nicht in den innersten Zirkel des Weißen Hauses.“ Vielleicht stimmt das, vielleicht musste er das sagen.

Am Samstag präsentierte Bush den neuen Sprecher McClellan der Öffentlichkeit. Anschließend flog er nach Georgia, um Spendengelder für seine Wiederwahl zu sammeln. Darin besteht langsam seine Hauptbeschäftigung. Und sie zahlt sich aus: Die Republikaner haben inzwischen doppelt so viel Geld zur Verfügung wie die Demokraten.

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