Politik : Jungpolitiker: Es ist Zeit für die Wahrheit

Chefs von Junger Union und Jusos beklagen Inhaltsleere im Wahlkampf und fordern Generationenpakt

André Görke[Armin Lehmann],Stephanie

Berlin - Mitten im Wahlkampf hat sich eine große Koalition der Jungpolitiker gebildet. Die Vorsitzenden der Jungen Union (JU) und der Jungsozialisten (Jusos), Philipp Mißfelder und Björn Böhning, forderten im Tagesspiegel einen Generationenpakt, um die wichtigsten Probleme Deutschlands anzugehen. „Die Grenze verläuft nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen Arm und Reich“, sagte Böhning.

Der Generationenpakt soll drei wichtige Kriterien beinhalten: Mehr Bildungsinvestitionen, mehr Forschungsausgaben, mehr Hochschulabsolventen. Aus Sicht Mißfelders und Böhnings ist vor allem die Bildungspolitik elementar für die Zukunft des Landes. Schon heute würden zu viele junge Menschen ausgegrenzt. Die Politik verschließe davor die Augen, aus Angst vor schmerzhaften Veränderungen. Etablierte Politik sei zu kurzfristig ausgerichtet. Mißfelder sagte: „Die jungen Erwachsenen, denen unterstellt wird, sie würden in den Tag hinein leben, denken wesentlich langfristiger als die Politiker, die heute entscheiden.“

Beide beklagten, dass die junge Generation nicht ernst genommen werde. Es gebe zwar eine Grundsympathie, aber wenn es um Verantwortung gehe, hieße es schnell: Stellt euch hinten an. Böhning betonte, dass junge Leute flexibler und leistungsbereiter seien, weil sie heute andere Erwerbsbiografien haben. Deshalb sollten die Älteren ihre Abwehrhaltung aufgeben: „Wer die Jugend versteht, versteht die Zukunft“, sagte Böhning. Mißfelder sagte, es gehe um Pragmatismus. „Wir sind raus aus den Ideologiegräben, aber deshalb nicht unpolitischer. Nur entspannter.“ Die ältere Generation, die 68er und ihre Gegner, seien nur neidisch darauf, dass die heutige Jugend in der Sache mehr Substanz zu bieten habe.

Beide Politiker riefen ihre Parteien dazu auf, sich mit den wirklichen Problemen des Landes zu konfrontieren. Es müsse im Wahlkampf mehr über Inhalte geredet und eine Debatte über die Zukunft des Landes geführt werden. Es sei längst Zeit für Wahrheiten. Der Generationenpakt könne eine Art neuer Gesellschaftsvertrag werden, der sich auf Bildung und Chancengleichheit gründe.

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