Politik : Jusos: Roter Durchlauferhitzer

Hans Monath

Im Zeitalter des von den Jusos bekämpften Turbokapitalismus beschleunigt sich auch in der SPD-Nachwuchsorganisation der Verschleiß an Spitzenkräften. Manche bundespolitische Juso-Karriere dauert nicht mehr länger als zwei Jahre. Zum Beispiel die von Benjamin Mikfeld. Der noch amtierende Juso-Vorsitzende wird in knapp drei Wochen auf dem Kongress seiner Organisation nicht mehr zur Wahl antreten.

Glaubt man dem 28-Jährigen, so hat der Rückzug mit seiner eigenen Leistungsbilanz nichts zu tun. Die fällt, wie Mikfeld am Montag in Berlin deutlich machte, in seinen eigenen Augen recht gut aus. Der Soziologe ist stolz darauf, dass er den "erforderlichen Neuerungsprozess" der Jusos eingeleitet hat - der Verband sei nicht nur mit Zukunftswerkstätten, Ideenwettbewerben und anderen Aktionsformen attraktiver geworden, sondern auch inhaltlich präsent. Heute rechnet sich Mikfeld als Erfolg an, wenn er die Tagesparole verkündet: "Die Notwendigkeit der Erneuerung der Jusos leugnet keiner mehr."

Zu den wesentlichen Erfolgen seiner Amtszeit zählt der scheidende Vorsitzende eine Fortentwicklung des Regierungsprogramms gegen die Jugendarbeitslosigkeit, für die die Jusos eintreten, und einen JusoVorschlag zur Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung. Die Jusos verlangen, das Sofortprogramm der Bundesregierung, das Ausbildungsplätze vermittelt, weiterzuentwickeln und für die arbeitslosen Jugendlichen Stellen zu schaffen. Auch die Arbeitsmarktpolitik wollen die Jusos reformieren. Danach sollen alle Erwerbstätigen, auch die Selbstständigen, in die Arbeitsversicherung einbezogen werden und auf Leistungen zurückgreifen können, auch wenn sie sich weiterbilden wollen oder nicht Vollzeit arbeiten. Den Antrag zur Arbeitsversicherung hat laut Mikfeld der SPD-Parteivorstand in seinen Leitantrag zum Parteitag übernommen.

Zu den Kandidaten für seine Nachfolge will sich Mikfeld nicht äußern. Es ist aber kein Geheimnis, dass seine Vorliebe dem 28-jährigen Hamburger Geschichts- und Politikstudenten Niels Annen gilt. Gute Chancen rechnet sich aber die bisherige Juso-Vizevorsitzende Barbara Gersmann aus, eine Jura-Studentin aus Hannover. Die 26-Jährige wird unterstützt vom "Koblenzer Kreis", einem gegen Mikfeld gegründeten Zusammenschluss von Jusos, die um den Einfluss des Verbandes fürchten. Die Warnung des Noch-Vorsitzenden Mikfeld, Kandidaten, die bisher im Verband "an der vordersten Front der Auseinandersetzung" gestanden hätten, seien "nicht besonders glaubwürdig", ist auf Gersmann gemünzt.

Noch ist nicht ausgemacht, ob Mikfelds politische Karriere in drei Wochen für immer beendet ist. Eine Kandidatur für den Bundestag reizt den 28-Jährigen offensichtlich. Aber der Soziologe tut reserviert: "Für mich hat der Berufseinstieg Priorität."

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