• Justiz ermittelt gegen Strauss-Kahn wegen des Verdachts der Fälschung - der Minister soll ein Scheinhonrar kassiert haben

Politik : Justiz ermittelt gegen Strauss-Kahn wegen des Verdachts der Fälschung - der Minister soll ein Scheinhonrar kassiert haben

Die in Frankreich regierenden Sozialisten sind von einem weitreichenden Finanzskandal erfasst worden: Wie am Freitag aus Pariser Justizkreisen bekannt wurde, leitete die Justiz gegen Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn Vorermittlungen wegen des Verdachts der Fälschung ein. Strauss-Kahn, eine der Schlüsselfiguren der Pariser Linksregierung von Premierminister Lionel Jospin, soll nach Angaben eines ehemaligen Verantwortlichen der Studentenkrankenkasse MNEF als Rechtsanwalt ein Scheinhonorar in Höhe von 600 000 Francs (rund 180 000 Mark) eingesteckt haben. Im Rahmen der Ermittlungen um umfangreiche Veruntreuungen bei der studentischen Pflichtversicherung sind in Frankreich bereits mehrere Personen in Haft, darunter der ehemalige Kassenchef Olivier Spithakis.

Die Kasse galt Jahrzehnte als eine Bastion sozialistischer Parteifunktionäre. Die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn gehen auf eine Zeugenaussage des Büroleiters von Spithakis, Philippe Plantagenest, zurück. Der heutige Wirtschafts- und Finanzminister hatte von 1994 bis 1996 als Anwalt die MNEF beraten. Das Anwaltshonorar für Strauss-Kahn anlässlich des Verkaufs einer Immobilienholding soll nach Angaben des Zeugen jedoch ohne tatsächliche Gegenleistung gezahlt worden sein, wie Pariser Tageszeitungen am Freitag berichteten. Den Angaben nach ist die Rechnung zudem auf 1994 rückdatiert worden. Strauss-Kahn, derzeit in Vietnam zu Besuch, lehnte jeden Kommentar zu den Vorwürfen ab.

Dem inhaftierten ehemaligen Krankenkassenchef Spithakis, der die MNEF von 1983 bis 1998 leitete, wird Unterschlagung und die Zahlung von Scheingehältern vorgeworfen. Insgesamt sollen rund 100 Millionen Franc (rund 30 Millionen Mark) veruntreut worden sein. In Marseille wurde wegen des MNEF-Skandals weiterhin der regionale Sozialistische Parteichef Francois Bernardini der Veruntreuung angeklagt. Auch der Jospin-Vertraute und Vizechef der französischen Sozialisten, Jean-Christophe Cambadelis, wird schwer belastet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben