Justiz : Ermittlungen gegen Werber von Söldnern

Wegen des bevorstehenden Einsatzes ehemaliger deutscher Soldaten als Söldner für die somalische Bürgerkriegsmiliz ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Geschäftsführer eines privaten Sicherheitsdienstes.

Telgte/Münster - Der Chef der Firma Asgaard aus Telgte (Nordrhein-Westfalen) stehe im Verdacht, sich des „Anwerbens für einen fremden Wehrdienst“ schuldig gemacht zu haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schweer.

Die Privatfirma Asgaard will mehr als 100 Bundeswehrreservisten als Söldner nach Somalia schicken (wir berichteten). Dem Unternehmen zufolge geht es um militärischen Personen-, Objekt- und Konvoischutz. Auftraggeber des Fünf-Jahres-Vertrags ist der somalische Clanchef Abdinur Darman, der die international anerkannte Übergangsregierung des ostafrikanischen Staates nicht anerkennt und stürzen will. Darman sagte, es seien auch Kampfeinsätze der Deutschen angedacht.

Staatsanwalt Schweer sagte, das Anwerben eines Deutschen für einen Wehrdienst im Ausland sei eine Straftat. Im Falle einer Verurteilung drohe eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Bereits der Versuch sei strafbar.

Der Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbandes, Gerd Höfer, betonte, die Vermittlung von Reservisten für einen Einsatz im Bürgerkriegsland Somalia sei unvereinbar mit der Mitgliedschaft in seinem Verband. Er kündigt einen Ausschluss des Chefs der Sicherheitsfirma an, der seit 2002 Mitglied im Reservistenverband sei. Unter anderem leite er den Arbeitskreis Reserveunteroffiziere in Münster. Der Vorsitzende des Reservistenverbandes in NRW, Claus-Werner Ahaus, versicherte, sein Verband habe keine Kenntnis von der Söldnersuche gehabt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker warf dem Auswärtigen Amt „skandalöse Untätigkeit“ vor. „Es ist ein Debakel für deutsche Friedenspolitik in Afrika, wenn in Deutschland monatelang Ex-Bundeswehrsoldaten als Söldner für einen Warlord in Somalia angeworben werden können, ohne dass das Außenministerium davon Kenntnis erhält“, sagte Afrikareferent Ulrich Delius. Das Außenministerium wies den Vorwurf zurück. „Wir sind derzeit dabei, uns ein vollständiges Bild von der Lage zu machen“, sagte ein Sprecher. Er wies darauf hin, dass Darman nicht anerkannt sei. Rechtmäßiger Präsident Somalias sei Scharif Scheich Ahmed. ddp

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