Politik : Jutta Ditfurths Abrechnung: "Soll ich die Leiche schminken?"

Matthias Meisner

Die Abrechnung war zu erwarten - und doch überrascht die Schärfe. "Das waren die Grünen" - unter diesem Titel nimmt Jutta Ditfurth "Abschied von einer Hoffnung". Ausgerechnet in dem Räumen des Presse- und Informationsamtes der rot-grünen Bundesregierung stellt die Frau, die einmal mit Haut und Haar für die Grünen stritt, am Montag in Berlin ihr neues Buch (Econ-Verlag) vor, das an ihrer Ex-Partei kein gutes Haar mehr lässt. Was sie den Grünen wünschen würde? Brüsk weist Ditfurth die Frage zurück: "Soll ich die Leiche schminken?" Nein, eine Leiche anzumalen, das werde der "politischen Sache" nicht gut tun.

Was denn diese "politische Sache" ist, für die Ditfurth heute streitet, wird nur in groben Umrissen erkennbar. Von Initiativen ist die Rede, Bewegungen, in denen sich die 48-jährige Sozialwissenschaftlerin heute engagiert. "Viel klein-klein", wie sie selbst zugibt. Aber Ditfurth spricht von der "Hoffnung, einen sehr langen Atem zu haben".

Für die Grünen selbst hat sie diese Hoffnung abgeschrieben, völlig. Nicht nur in Bezug auf ihren ehemaligen Parteifreund Joschka Fischer, den sie in ihrem Buch stur Joseph nennt und dem sie eine "klassisch opportunistische Laufbahn" anlastet. Wenn schon, denn schon: Die ganze Partei besteht für sie aus "hochneurotischen Parvenüs", "Innovationstrotteln" und "aalglatten" Aufsteigern. Die Grünen selbst seien nur noch "Mehrheitsbeschaffer", ein "autoritärer und korrupter Haufen", eine "große PR-Agentur für das bundesdeutsche Kapital".

Es scheint Ditfurth eine gewisse Freude zu bereiten, ihr Sammelsurium an Hässlichkeiten in einem nüchternen Konferenzsaal vor in- und ausländischer Presse vortragen zu dürfen. Es soll die Generalabrechnung sein mit einer Partei, die "Krieg führt" und "die Modernisierung der Atomenergie als Ausstieg verkauft". Die Resonanz auf das neue Buch blieb im Vorfeld verhalten, die "Neue Revue" fand sich bereit, Auszüge vorab zu drucken. Falls sie noch den einen oder anderen Freund bei den Grünen gehabt haben sollte - jetzt nicht mehr. Ob sie denn noch Achtung vor aktiven Grünen habe? "Nein", schießt es zurück. Selbst von der Linken seien nur "jämmerliche Figuren wie Jürgen Trittin" geblieben.

Kompromisslos, so lässt sich Ditfurth gern verkaufen - und bleibt derweil politisch weitgehend isoliert. Selbst ihr Versuch, im Umfeld der PDS neu Fuß zu fassen, ist gescheitert. Auch dort, sagt sie, hätten die Leute "scharfe linke Kritik" nicht gewollt.

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