K-Frage : SPD-Spitze stellt sich hinter Beck

Nach dem Wirbel um eine angebliche Rücktrittsdrohung von SPD-Chef Kurt Beck versuchen führende Sozialdemokraten, die Wogen zu glätten. Das Gerede von einer Rücktrittsdrohung sei "Schwachsinn", schimpft Fraktionschef Peter Struck.

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Kurt Beck (l.) und Peter Struck. -Foto: dpa

BerlinDer Versuch, Kurt Beck wegzumobben, ist gescheitert", sagte der stellvertretende Fraktionschef Joachim Poß dem Sender Phoenix. Es seien Wortfetzen "aus dem Gesamtzusammenhang herausgerissen" worden, kritisierte Fraktionsvize Elke Ferner im Saarländischen Rundfunk. " Zuvor hatte auch Beck selbst Interpretationen zurückgewiesen, er habe in der Fraktionssitzung am Dienstag mit seinem Rücktritt gedroht. "In dem Fall bin ich einfach nicht richtig wiedergegeben worden", sagte er am Dienstagabend.

Für Irritationen hatte besonders gesorgt, dass Beck nach Teilnehmerangaben in seiner Rede vor der Fraktion gesagt haben soll: "Wenn ich Teil des Problems sein sollte, klebe ich nicht an meinem Stuhl." Mehrere Abgeordnete sagten dazu allerdings laut ZDF, Beck habe mit diesen Worten nicht seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, sondern den Druck auf seine Kritiker erhöhen wollen. Der zitierte Satz sei eher locker dahingesagt worden. "So kämpferisch habe ich ihn noch nie erlebt", zitierte der Sender einen Parlamentarier.

"Viel Beifall für Beck"

Poß sagte, es sei nicht zu leugnen, dass Beck in den vergangenen Monaten teilweise gravierende Fehler gemacht habe. Allerdings sei die Kritik an ihm überzogen gewesen. Daher habe es innerparteilich nun eine Umkehr gegeben. "Das haben wir gestern und heute erlebt, weil die Leute gesagt haben: Bis hierhin und nicht weiter, wir lassen uns nicht vorschreiben, auch nicht von einzelnen Medien, wer denn unser Vorsitzender ist." Auch Ferner warf bestimmten Medien vor, es sei auf Beck "ständig herumgehackt worden".

"Kein Abgeordneter hat etwas in der Rede von Beck missverstanden", sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Mittwoch in Berlin. Der Parteichef habe seine Position inhaltlich verteidigt und nehme seine Aufgaben als Vorsitzender wahr. Beck habe für seine Rede vor der Fraktion viel Beifall bekommen "und zwar keinen Pflichtbeifall, sondern aus Überzeugung".

Thierse: Die übliche Gehässigkeit

Auch Fraktionschef Peter Struck hatte noch am Dienstagabend darauf hingewiesen, Beck habe von den Abgeordneten nach einer kämpferischen Rede demonstrative Rückendeckung erhalten. "Die Fraktion steht hundertprozentig hinter ihm", sagte Struck. Das Gerede von einer Rücktrittsdrohung sei "Schwachsinn". "Er hat weder direkt noch indirekt seinen Rücktritt angedroht", sagte auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse wertete den Vorfall als "die übliche Gehässigkeit mancher Journalisten".

Die Frage der SPD-Kanzlerkandidatur war laut Oppermann in der Fraktion kein Thema. Sitzungsteilnehmer sagten allerdings laut ZDF, Beck habe deutlicher als früher erkennen lassen, dass die Kanzlerkandidatur zwischen ihm und seinem Partei-Vize, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, entschieden werden solle. Dazu sagte Oppermann, Beck habe lediglich sein gutes Einvernehmen mit Steinmeier hervorgehoben. Zugleich habe er klargemacht, er wolle sich nicht durch Druck von außen "umpusten lassen". (küs/AFP)

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