Politik : Kabul wirbt für seinen Erfolg

Regierungsmitarbeiter sehen „keine Strategie“ beim Antidrogenkampf, aber Fortschritt beim Polizeiaufbau

Ruth Ciesinger

Berlin - Mitarbeiter des afghanischen Innenministeriums haben in Berlin um Verständnis für den schleppenden Aufbau der Institutionen, besonders der Polizei geworben. Während deutsche Sicherheitskreise die Bedrohungslage in Afghanistan immer problematischer sehen, betonten Manan Farahi, Chef der Abteilung für Drogen- und Terrorbekämpfung, sowie der Verantwortliche für den Polizeiaufbau, Hassan Atmar, ihrer Ansicht nach positive Entwicklungen.

Man habe nach dem Sturz der Taliban vor sechs Jahren „bei null angefangen“, sagte Atmar, jetzt habe man „etwa 50 Prozent erreicht, und darauf sind wir stolz“. Immerhin gebe es jetzt im ganzen Land 69 000 Polizeibeamte, 19 000 von ihnen würden ihr Gehalt sogar auf ein eigenes Konto überwiesen bekommen. Auf diese Weise erhielten zumindest diese Beamten ihren Lohn auch wirklich.

Um der Korruption entgegenzuwirken, sei auch das Gehalt der Polizisten von anfangs 15 auf 100 Dollar im Monat erhöht worden. Fraglich ist jedoch, ob dies derzeit noch eine Zielgröße ist; auch die Zahl von 69 000 Beamten ist eher hoch gegriffen – eine US-Umfrage beispielsweise geht von 60 000 Beamten aus, von denen jeder Vierte nicht einsatzbereit ist.

Deutschland ist Führungsnation der europäischen Polizeimission Eupol in Afghanistan. Am Donnerstag hat Jürgen Scholz deren Leitung übernommen. Er hat bereits zwei europäische Polizeimissionen in Mazedonien geleitet. Sein Vorgänger bei Eupol, Friedrich Eichele, war abberufen worden, nachdem offenbar die Zusammenarbeit auf diplomatischer Ebene nicht unproblematisch verlaufen war. Neben den Eupol-Ausbildern, die für das Führungspersonal der afghanischen Sicherheitskräfte zuständig sind, bilden etwa 500 bis 600 Amerikaner zudem einfache Beamte im Kurzverfahren aus – von denen aber, so die europäische Kritik, danach viele zu sogenannten Warlords überlaufen. Da die Beamten nun besser bezahlt würden, sei dieses Problem kleiner geworden, gibt sich Manan Farahi überzeugt.

Große Defizite – bei der internationalen Gemeinschaft – kritisierte Farahi jedoch beim Antidrogenkampf. Aus Afghanistan kommen über 90 Prozent des Opiums weltweit. Der Westen habe „keine Strategie“ und arbeite nicht mit regionalen Partnern zusammen. Die internationale Gemeinschaft habe sich zu wenig Gedanken gemacht, wie den Afghanen eine wirtschaftliche Alternative zum Mohnanbau geboten werden könnte. Er forderte eine „gemeinsame, regionale Strategie“, ohne diese näher zu beschreiben.

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