Politik : Kaczynski: Der Papst entschied im Fall Wielgus richtig

Paul Flückiger

Warschau - Selten waren die Kaczynski-Zwillinge so kleinlaut, wie im Geheimdienstskandal rund um den zurückgetretenen Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus. Erst am Dienstag fand Polens Premier Jaroslaw Kaczynski seine Stimme wieder und erklärte reichlich zweideutig, man müsse sowohl jene verstehen, die Wielgus verteidigt hätten, als auch den Papst. „Benedikt XVI. traf die richtige Entscheidung“, sagte Kaczynski.

Seit ihrer Machtübernahme im Herbst 2005 hatten die Kaczynskis immer wieder die Nähe zu Polens konservativen Kirchenkreisen gesucht. Das halbe Kabinett pilgerte zeitweise zu dem ultrakatholischen, teilweise antisemitischen Radio Maryja nach Torun; Präsident Lech Kaczynski verdankt seine Wahlsieg der offenen Unterstützung durch den umstrittenen Sender, der Wielgus bis zuletzt die Stange gehalten hat. Gleichzeitig gehört die Durchleuchtung der Geheimdienstakten zum Kernprogramm der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

„Wir wollen die heroische Rolle der katholischen Kirche bei der Verteidigung der Nation in den Zeiten der kommunistischen Sklaverei ehren“, heißt es in einem Erlass des politischen Komitees der PiS. Die Regierung Kaczynski will sich nun vielmehr mit den hauptamtlichen Mitarbeitern des Geheimdienstes befassen. Die PiS will noch diese Woche im Sejm einen Gesetzentwurf einreichen, der dafür sorgen soll, dass die einstigen Führungsoffiziere informeller Mitarbeiter niedrigere Renten als bisher bekommen. Zudem sollen ihre Namen veröffentlicht werden.

Wielgus selbst kann auf seinen alten Posten als Bischof von Plock wohl nicht zurück. Der Vatikan hatte klargemacht, dass er keine Bischöfe mit Geheimdienstvergangenheit mehr tolerieren will. Wielgus soll künftig an der Universität Lublin ein Doktorandenseminar leiten. Wie das polnische Episkopat mitteilte, wird Wielgus künftig in Warschau als Senior-Erzbischof, Erzbischof a. D. also, verbleiben.

Unterdessen berichtete die Zeitung „Dziennik“, der Geheimdienst sei in höchste Kirchenkreise vorgedrungen. In den Akten seien Pseudonyme von zwölf Bischöfen aufgelistet, die Ende der 70er Jahre Bericht aus der Bischofskonferenz erstatten sollten.

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