Kämpfe im Libanon : Mutmaßlicher Kofferbomber unter den Opfern

Bei schweren innerlibanesischen Kämpfen sind seit Sonntag mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern ist auch ein Mann, der im Verdacht stand, an den fehlgeschlagenen Kofferbombenanschlägen in Deutschland beteiligt gewesen zu sein.

Beirut - Bei den Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und der Armee in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Nordlibanon nahe der Küstenstadt Tripoli verloren nach Angaben aus Sicherheitskreisen 23 Soldaten und 19 mutmaßliche Angehörige der Gruppe Fatah al-Islam ihr Leben. Der Gruppe werden Kontakte zu Syrien und dem Terrornetz Al Qaida nachgesagt. Die Armee setzte bei den Gefechten am Eingang des Lagers Nahr al-Band auch Panzer ein. Die Kämpfe brachen aus, als die Polizei unter den militanten Palästinensern nach Bankräubern suchte, die am Vortag bei einem Überfall 125.000 US-Dollar erbeutet hatten.

Heute morgen gingen die Gefechte weiter. Libanesische Soldaten und Kämpfer der Organisation Fatah al-Islam lieferten sich Schusswechsel. Schwere Artillerie kam ebenso zum Einsatz wie leichte Maschinengewehre.

Bei den Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und Islamisten ist auch der Bruder von einem der beiden mutmaßlichen Kofferbomber von Köln ums Leben gekommen. Saddam E.H. gehöre zu den 17 Extremisten der Gruppe Fatah al-Islam, die am Vortag von Sicherheitskräften getötet worden seien, sagte ein libanesischer Polizeioffizier. Er sei der Bruder des in Deutschland inhaftierten Youssef Mohamad E.H.

Der nun im Libanon getötete Extremist war mit seinem Bruder Teil einer Gruppe, welche die Anschläge auf zwei Regionalzüge in Deutschland im Juli vergangenen Jahres vorbereitet haben soll. Die libanesische Justiz hatte einen Haftbefehl in Abwesenheit gegen den flüchtigen Islamisten ausgestellt.

Anschlag in Christenviertel
Aus Armeekreisen hieß es, die Milizionäre hätten von Dächern am Rande des Lagers auf Soldaten geschossen. Mindestens vier Islamisten wurden festgenommen. Bewohner des Lagers riefen die libanesischen Behörden auf, Krankenwagen zu schicken, um den Dutzenden von Verwundeten zu helfen. Insgesamt wurden rund 100 Menschen verwundet, die Hälfte von ihnen libanesische Zivilisten und Bewohner des Lagers.

Bei einem Bombenanschlag in der Hauptstadt Beirut sind eine Frau getötet und zehn Menschen leicht verletzt worden. Nach Polizeiangaben war der Sprengsatz unter einem Auto auf einem Parkplatz in der Nähe eines Einkaufszentrums in einem vor allem von Christen bewohnten Stadtteil im Osten Beiruts versteckt. Die Frau sei ums Leben gekommen, als durch die Detonation eine Wand in ihrer Wohnung einstürzte. Die Explosion am Sonntagabend löste in der Nachbarschaft Panik aus. Die Armee riegelte die Umgebung ab. Dutzende Autos seien zerfetzt worden oder ausgebrannt. Dichter Rauch sei vom Tatort aufgestiegen. Die Polizei machte Terroristen für den Anschlag verantwortlich.

Fatah al-Islam droht mit Ausweitung des Konflikts

Ministerpräsident Fuad Siniora sprach von einer "Verschwörung" unter dem Deckmantel des Islam. "Angriffe auf die libanesische Armee sind ein gefährlicher Versuch, die Sicherheit des Landes zu gefährden", sagte Siniora. Ein Sprecher von Fatah al-Islam erklärte: "Wir verteidigen uns und unsere sunnitischen Brüder, die in Tripoli leben, weil sie von der libanesischen Armee angegriffen wurden." Die Islamisten drohten mit einer Ausweitung des Konflikts auf das ganze Land.

Die libanesische Armee darf nach einem vor 38 Jahren vereinbarten Abkommen nicht in die Flüchtlingslager eindringen, da die Palästinenser dort selbst für die Sicherheit verantwortlich sind. In den Lagern kommt es sporadisch zu Kämpfen zwischen den verschiedenen palästinensischen Fraktionen.

Rund um das Lager Nahr al-Bard hatte es in den vergangenen Wochen Spannungen gegeben, nachdem die Regierung der Miliz Fatah al-Islam vorgeworfen hatte, sie sei in einen Terroranschlag in einem christlichen Ort verwickelt, bei dem im Februar drei Menschen getötet worden waren. Syrien hat Verbindungen zu der Gruppe bestritten.

Wie die syrische Regierung am Sonntag mitteilte, wurden zwei Grenzübergänge zum Norden des Libanon wegen der angespannten Sicherheitslage geschlossen. Der Hauptgrenzübergang Masnaa im Osten des Libanons blieb jedoch geöffnet. (tso/dpa/AP)

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